«Am Ende geht es immer darum, für jemanden da zu sein.»

Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums haben wir mit Notfallpsychologin Barbara Fehlbaum über alte und neue Konzepte sowie über die Entwicklung von Carelink gesprochen.

Als Barbara in den frühen 2000er-Jahren zur Notfallpsychologie fand, gab es in der Schweiz auf diesem Gebiet noch kaum Strukturen, keine etablierten Ausbildungen und nur wenige Fachpersonen.
Ihr Weg dorthin war nicht geradlinig. Sie studierte unter anderem Ethnologie und Psychologie und beschäftigte sich intensiv mit der Frage, wie Menschen auf aussergewöhnliche Ereignisse reagieren. Besonders prägend war ihre Arbeit im Kontext von Erdbeben. Dabei wurde ihr klar, dass viele bestehende Konzepte der Notfallpsychologie zu kurz griffen, wenn es um die Bewältigung von Ereignissen grossen Ausmasses ging.

Der Kontakt zu den Carelink-Gründern Franz Bucher und Richard Frei führte sie im Jahr 2001 in ein Feld, das sich gerade erst entwickelte. „Unsere Arbeit war pionierhaft“, erinnert sie sich. „Es gab kaum etwas, worauf wir zurückgreifen konnten. Wir mussten vieles selbst aufbauen.“

Aufbauarbeit mit Wirkung

Schon bald übernahm Barbara Verantwortung, unter anderem für die Ausbildung und Rekrutierung des Careteams. Die Nachfrage war gross, die Kurse waren schnell ausgebucht. Parallel dazu war sie selbst regelmässig im Einsatz, sowohl in der Schweiz als auch im Ausland.
In dieser Anfangszeit sei es nicht nur darum gegangen, Betroffene zu begleiten, sondern auch darum, ein gemeinsames Verständnis der Arbeit zu entwickeln. Welche Interventionen helfen wirklich? Was brauchen Menschen unmittelbar nach einem belastenden Ereignis?
Barbara erinnert sich an frühe Ansätze, bei denen den Betroffenen mögliche Reaktionen auf traumatische Ereignisse detailliert aufgelistet wurden. „Das hat bei einigen eher zusätzliche Verunsicherung ausgelöst“, sagt sie rückblickend. Der Fokus verlagerte sich später zunehmend darauf, Menschen zu stabilisieren und ihnen Orientierung zu geben.

Was im Einsatz wirklich zählt

Über die Jahre hat Barbara zahlreiche Einsätze erlebt – von Ereignissen in der Schweiz bis hin zu internationalen Situationen, in denen sie selbst an ihre Grenzen kam. In solchen Momenten sind aus ihrer Sicht drei Dinge entscheidend: Präsenz, Ruhe, Überblick.
„Es geht darum, da zu sein, zuzuhören und gemeinsam mit den Betroffenen die nächsten Schritte zu ordnen.“
Besonders herausfordernd seien Situationen, in denen Unsicherheit und Angst dominieren, wenn Informationen fehlen oder eine Bedrohungslage unklar ist. Hier zeige sich, wie wichtig es ist, nicht nur zu begleiten, sondern auch Struktur und Orientierung zu geben.

Eine Kultur, die trägt

Neben der fachlichen Entwicklung von Carelink in den letzten 25 Jahren hebt Barbara vor allem die gute Zusammenarbeit hervor. Der starke Zusammenhalt im Team, die Bereitschaft, füreinander einzustehen, und das gemeinsame Ziel hätten die Arbeit über all die Jahre geprägt. „Wir haben Tag und Nacht immer an einem Strick gezogen.“
Gleichzeitig beschreibt sie Carelink als Organisation, die sich immer wieder weiterentwickelt hat: weg von standardisierten Ansätzen hin zu individuell zugeschnittenen Lösungen für Betroffene und Auftraggebende.

Ein Blick nach vorne

Was als pionierhafte Initiative begann, ist heute ein etablierter Bestandteil der Notfallversorgung. Und doch bleibt der Kern der Arbeit von Carelink unverändert: Menschen in Ausnahmesituationen begleiten – individuell, respektvoll und mit klarem Blick für das Wesentliche.

Oder wie Barbara es ausdrückt:
„Am Ende geht es immer darum, für jemanden da zu sein.“

Barbara Fehlbaum
Barbara Fehlbaum beschäftigte sich nach ihrem Studium der Ethnologie und Psychologie zunächst mit den Folgen von Erdbebenkatastrophen. Dabei kam sie erstmals mit Carelink in Kontakt. Sie war über 15 Jahre lang als Leiterin unseres Careteams und als Notfallpsychologin tätig. Heute ist sie Co-Leiterin des Care Teams Nidwalden/Engelberg und unterstützt im Animal Health Center als Tierpsychologin Tiere sowie ihre Halterinnen und Halter.
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