Schulen

Lesen Sie hier verschiedene ausgewählte Fachbeiträge aus den CareNews, dem Newsletter von CareLink, sowie weitere Artikel zum Thema Care, die in anderen Publikationen erschienen sind.

Die Auswahl der Artikel aus anderen Medien erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Deren Inhalt verantworten die Autorinnen und Autoren.

Vorbeugen ist besser

Gezielte Prävention kann Amokläufe verhindern
Quelle: Carenews Dezember 2012

Aus den USA und aus Deutschland treffen immer wieder Schreckensnachrichten über Amokläufe ein, und häufig sind Schulen betroffen. CareNews hat darüber mit Werner Benz, dem Kommunikationschef der Kantonspolizei Zürich, gesprochen: «Wir setzen auf Prävention, sind aber auch vorbereitet, um ein Ereignis zu bewältigen.»

Ganzen Artikel jetzt lesen ...

Dass Zürich als weitaus bevölkerungsstärkster Kanton der Schweiz bislang von Amokläufen verschont geblieben ist, schreibt Werner Benz in erster Linie der Prävention durch Polizei und Schule zu: «Wir arbeiten eng mit den Lehrkräften zusammen. Gezielte Vorbeugung – auch durch die Eltern – kann bestenfalls eine Amoktat verhindern.»

Auf spezifische Anzeichen achten
Die Grenze zwischen gesunder Wachsamkeit und übertriebenem Verdacht ist allerdings schmal. Werner Benz rät deshalb, auf spezifische Anzeichen zu achten, die möglicherweise auf die Planung eines Amoklaufs hinweisen könnten: Zeigt jemand ein übermässiges Interesse an Waffen, Gewalt und Krieg, sammelt Material über Amoktaten, trägt vielleicht gerne Tarnkleidung zur Schau und spricht auch über Suizid oder droht damit, so ist es sicher angebracht, mit den Fachleuten der Polizei Kontakt aufzunehmen. Diese bezeichnen solche potenziellen Anzeichen als «Leaking»: Sickert etwas schriftlich, mündlich, per SMS oder etwa via Internet durch und wird wie durch ein Leck publik, so braucht es das Fachwissen, wie es die Kriminal- und der Sicherheitspolizei der Kantonspolizei Zürich hat.

Medien können zum Nachahmen animieren
Ein Amoklauf findet in den Medien meist grossen und starken Widerhall. Dazu kommt heute das Internet sowie die sozialen Netzwerke, die Amokläufe noch schneller und noch detaillierter «dokumentieren» als etwa das Fernsehen. «Diese breite Abdeckung kann andere zum Nachahmen animieren», erklärt Werner Benz – und verweist auf den so genannten Werther-Effekt: Dieser basiert auf der Annahme, dass Suizide, über welche die Medien ausführlich berichtet haben, die Suizidrate steigen lassen.

Umso wichtiger wird die Prävention: «Wir müssen mit der Tatsache umgehen, dass Informationen, bestätigte und unbestätigte, heute leichter verfügbar sind als noch vor wenigen Jahren.» Aufmerksamkeit im Vorfeld einer allfälligen Tat ist also gefragt. «Nachahmungseffekte haben leider kein Verfalldatum», so Werner Benz zum Schluss. Immerhin verebbe die Gefahr der Nachahmung nach einer gewissen Zeit.

Die Polizei ist vorbereitet

Auch das ist eine Tatsache: Trotz Prävention kann ein Amoklauf in der Schweiz nie vollends ausgeschlossen werden. Ein Amokläufer hat es darauf abgesehen, möglichst viele Menschen und schliesslich sich selber zu töten. Deshalb lässt er auch nicht mit sich verhandeln, was ihn von einem Geiselnehmer unterscheidet. Daraus gilt für die Polizei die Devise, das Töten so schnell wie möglich zu stoppen. «Auf jeden Fall ist der Täter möglichst rasch zu lokalisieren und handlungsunfähig zu machen», so Werner Benz. Dabei zählt jede Minute. Deshalb ist die Kantonspolizei Zürich in ihren Trainings schon vor einigen Jahren dazu übergegangen, dass die zuerst eintreffenden Polizisten einschreiten würden und diese nicht auf die Sondereinheit warten würden.

Bewusst präventiv wirken …

... und sich dennoch für den Notfall rüsten
Quelle: Carenews Dezember 2012

Wie kann eine Schule einem Unglück wie etwa einem Amoklauf konkret vorbeugen? Wie verhält sie sich, wenn es doch zu einem tragischen Zwischenfall kommt? Eva Schuster Michel, Leiterin der Schulverwaltung Dietlikon, gibt Einblick in ihre Vorkehrungen.

Ganzen Artikel jetzt lesen ...

Frau Schuster, Sie und die Lehrpersonen, welche die rund 800 Kinder und Jugendlichen in Dietlikon unterrichten, beschäftigen sich immer wieder mit Themen wie Konfliktlösung und Vermeidung von Amokläufen. Welche Erfahrungen haben zu Ihrem sehr bewussten Umgang mit dem Thema geführt?
Eva Schuster Michel: Wir haben bis jetzt zum Glück noch nie ein derart folgenschweres Ereignis wie einen Amoklauf bewältigen müssen. Doch der Amoklauf an einer Realschule im deutschen Winnenden im März 2009 war für uns wie ein Weckruf. Darauf haben wir eine Auslegeordnung gemacht: Welche Mittel zur Prävention und zur Bewältigung solcher Krisen stehen uns zur Verfügung?

Ein sehr praxisbezogenes Konfliktlösemodell hatten wir schon. Es dient uns bis heute als Leitfaden, um Probleme zwischen Lehrpersonen einerseits und Schülerinnen und Schülern andererseits einer Lösung zuzuführen. An erster Stelle steht da natürlich immer das direkte Gespräch.

Auch einen Krisenstab gab es bereits. Ihm würden im Minimum der Schulpräsident, der Schulleiter oder die Schulleiterin der betreffenden Schuleinheit und ich selber als Leiterin der Schulverwaltung angehören. In den meisten Fällen würde wohl auch der Schulsozialarbeiter im Krisenstab mitarbeiten, da Konflikte und Krisen in der Regel eine Vorgeschichte haben.

Das allein genügte Ihnen aber noch nicht. Der Katalog an Eventualitäten ist ja auch relativ lang: Da kann ein Kind oder eine Lehrperson gemobbt werden, ein Zwischenfall kann die Schulreise oder das Schullager überschatten, oder eine Person setzt ihrem Leben ein Ende. Wie haben Sie sich auf solche Ereignisse vorbereitet?
Eva Schuster Michel: Das ist genau die Frage, die wir uns nach dem Amoklauf in Winnenden gestellt haben! Um sie systematisch zu beantworten, haben wir – zusammen mit CareLink – ein Konzept erarbeitet. Es geht von verschiedenen Arten von Ereignissen aus und dient uns nun als Checkliste, die wir bei Bedarf sofort zur Hand haben, um schnell und kompetent handeln zu können. Jede unserer Lehrpersonen weiss, in welchem Fall sie wen informieren oder alarmieren muss. Die Checkliste verleiht uns Sicherheit. Sie hilft uns auch beim Entscheid, ob wir ein Ereignis im Alleingang bewältigen können oder ob wir im Krisenstab die Kompetenzen von CareLink beanspruchen.

Gut zu wissen, was im Ernstfall zu tun ist! Denn wenn dieser eintritt, ist es zu spät, sich darüber Gedanken zu machen. Hat Sie das Erarbeiten dieses Notfallhandbuchs darüber hinaus auch für das Thema der Prävention weiter sensibilisiert?
Eva Schuster Michel: Auf jeden Fall! Unser Bewusstsein ist weiter gewachsen, und die Prävention ist zu einem festen Bestandteil unseres Denkens und Handelns geworden. Ohnehin sind Lehrpersonen heute keine Einzelkämpferinnen und -kämpfer mehr. Sie tauschen sich gegenseitig aus und achten auf allfällige Verhaltensänderungen einzelner Schülerinnen oder Schüler, die schlimmstenfalls auf eine bevorstehende Gewalttat hinweisen könnten. Auch die Schulhauswarte sind achtsam – und durch ihre Integration in die Lehrteams genauso sensibilisiert.

Weiterer Punkt: Die Informatik ist zu einem Unterrichtsfach geworden, und unsere Jugendlichen lernen, wie sie sich im Internet und in ihrer persönlichen Kommunikation, etwa auf Facebook, verantwortungsbewusst verhalten. Deshalb würde auffallen, wenn ein Schüler zum Beispiel stets die gleichen fragwürdigen Websites besuchen oder zweifelhafte SMS verschicken würde.

Gerade hier kommt uns allerdings entgegen, dass unsere Schule in Dietlikon mit drei Kindergärten und drei Schulhäusern eine überschaubare Grösse hat. Zudem pflegen wir grundsätzliche einen respektvollen Umgang untereinander – auch das ist Prävention, zumindest eine niederschwellige.

Haben Sie – ebenfalls im Sinne einer Prävention – Kontakt zu Blaulichtorganisationen?
Eva Schuster Michel:
Unabhängig vom Gedanken etwa an einen Amoklauf führen wir jedes Jahr eine Übung mit der Feuerwehr durch. Dabei geht es jeweils um die Evakuierung eines unserer Schulhäuser oder Kindergärten. Die Mitglieder unserer örtlichen Feuerwehr kennen unsere Gebäulichkeiten unterdessen in- und auswendig, und das ist gut so. Und natürlich pflegen wir auch den regelmässigen Kontakt zu weiteren Behörden und Blaulichtorganisationen.

Trotzdem: Die Tatsache, dass Jugendliche heute eher zu Gewalt neigen als noch vor zehn Jahren, lässt sich nicht wegdiskutieren. Die Prävention kann deshalb kaum genug stark gewichtet werden!
Eva Schuster Michel:
Die Frustrationsgrenze der Jugendlichen ist in der Tat gesunken. Das Klima ist gereizter und das Gewaltpotenzial höher. Persönlich glaube ich, dass die Gefahr an Gymnasien und Berufsschulen höher ist als bei uns. Wir sprechen regelmässig über die Prävention und handeln entsprechend. Unsere Checkliste überprüfen wir jedes Jahr und aktualisieren sie wenn nötig.

Ein kurzes Fazit, Frau Schuster?
Eva Schuster Michel: Die Auseinandersetzung mit Krisenthemen wie Amoklauf oder Unfall mit Todesfolgen, aber auch die Prävention gehört heute zum Schulalltag. Schliesslich haben wir es mit Gefahren zu tun, die nicht nur von innen, also vom Innern der Schule, nach aussen wirken könnten, sondern auch von aussen nach innen. Umso wichtiger finde ich es, dass eine Schule auch bei professionellen externen Partnern wie CareLink Unterstützung sucht.

CareLink wird an Schulen gerufen

Diese Einsätze erfordern spezifisches Fachwissen
Quelle: Carenews Juni 2012

Innert kurzer Zeit ist CareLink gleich an zwei Schulen gerufen worden. Barbara Fehlbaum, Leiterin psychologische Fachunterstützung und Notfallpsychologin, und Fulvio Federi, Leiter Aus- und Weiterbildung, berichten.

Ganzen Artikel jetzt lesen ...

Ein tödlicher Unfall oder ein Suizid macht Mitschülerinnen und Mitschüler, deren Eltern und Lehrpersonen betroffen. Die Schulleitung und die Lehrpersonen sind doppelt gefordert, denn sie müssen entscheidungs- und handlungsfähig bleiben. Gerade deshalb schätzen sie externe, professionelle Unterstützung. CareLink kann in emotionaler Distanz zum Ereignis Strukturen schaffen und zum richtigen Zeitpunkt die richtigen – und wichtigen – Fragen stellen, etwa wer wann, durch wen und wie informiert werden soll. Ebenso wichtig: Wie sollen die Mitschülerinnen und Mitschüler betreut werden? Wie sollen sie mit den Medien umgehen? Zudem: Was ist mit dem Einbezug der Eltern? Die Antworten drängen, die daraus abzuleitenden Aktivitäten vertragen keinen Aufschub. Hier kann CareLink unaufgeregt, sachlich und dennoch einfühlsam beraten und unterstützen.

Die Entscheide hängen vom Ereignis ab

Fulvio Federi fasst zusammen: „Im Einsatz, den ich begleitet habe, konzentrierte sich unsere Betreuung auf Grund der Sachlage auf die betroffene Klasse und die Parallelklasse. Die beiden Klassen wurden auch gemeinsam über den Todesfall informiert. Darauf standen die Notfallpsychologin und der Teamleiter mit zwei Caregivers für die Betreuung von Gruppen wie auch von Einzelpersonen zur Verfügung. Vereinzelte Schülerinnen und Schüler nutzten das Angebot. Die Lehrpersonen konnten sich am Ende des Tags mit dem Fachteam austauschen. Bereits zuvor war entschieden worden, im Schulhaus einen Raum mit Kondolenzbuch, Kerzen und Blumen einzurichten.“

Jugendliche haben eigene Bedürfnisse
„Jugendliche befinden sich in einer sensiblen Entwicklungsphase“, erklärt Barbara Fehlbaum. „In schwierigen Situationen zeigen sie zwar grundsätzlich ähnliche Reaktionen wie Erwachsene, doch sie sind häufig empfindsamer, und oft versuchen sie, das auf Grund des Gruppendrucks zu verbergen: Sie möchten nicht auffallen. Ist eine grössere Gruppe oder gar eine ganze Klasse zusammen, traut sich kaum jemand, Gefühle auszudrücken. Bessere Erfahrungen haben wir deshalb mit Einzel- und Kleingruppenbetreuung gemacht. Sinnvoll ist auch, wenn die Klasse noch am Tag des Ereignisses mit der Lehrperson zum Beispiel einen gemeinsamen Spaziergang unternimmt oder ein Kondolenzbuch gestaltet.“

Caregivers unterstehen der Schweigepflicht
Barbara Fehlbaum weist besonders auf einen Punkt hin: „Für Jugendliche ist es wichtig zu wissen, dass wir als Caregivers und Notfallpsychologen keine Gesprächsinhalte weitergeben. Im Gespräch innerhalb einer Gruppe ist es meine Aufgabe, Zusammenhänge herzustellen. Ich will den Betroffenen helfen, verstehen zu lernen, wieso jemand etwas gemacht hat. Aus bruchstückhaften Informationen und aus naturgemäss unterschiedlichen Sichtweisen entstehen Puzzleteile, und diese fügen sich oft zu einem verständlicheren Bild zusammen. So können Betroffene für sich persönlich Facetten erkennen, die ihnen sonst vielleicht verborgen geblieben wären. Dazu ist das Gespräch unter den Jugendlichen selbst genauso wichtig.“

Auch das spricht für den Beizug eines Careteams: In der Regel vertrauen sich Jugendliche eher einer fremden, aussenstehenden Person an als den Eltern oder einer Lehrperson, die sie dann wieder in anderen Situationen treffen. „Oft gebe ich eine Telefonnummer weiter, bei der sich die Jugendlichen zu einem späteren Zeitpunkt melden können“, sagt Barbara Fehlbaum. Um sich vor der Gruppe nicht blosszustellen, melden sie sich gemäss ihrer Erfahrung gerne auch im Nachhinein.

CareLink unterstützt in jeder Phase

Die beiden Ereignisse, auf die sich Fulvio Federi und Barbara Fehlbaum berufen, lassen verschiedene Phasen erkennen, in denen CareLink unterstützend wirken kann:

  • Im Vorfeld der Information: Das Ereignis hat stattgefunden, und nun muss die Schulleitung informieren. CareLink berät.
  • Während der Information: Die Tatsache, dass externe Fachpersonen anwesend sind und für anschliessende Gespräche zur Verfügung stehen, wirkt beruhigend – auf die Schülerinnen und Schüler, die Lehrpersonen, die Eltern. CareLink ist diskret präsent.
  • Nach der Information: CareLink unterstützt die Schulleitung beim Planen der nächsten Schritte, etwa der Aktivitäten rund ums Trauern. Die Schülerinnen und Schüler haben die Möglichkeit, sich auch im Nachhinein beim Careteam zu melden. Oder sie wissen, welche Personen innerhalb der Schule ihre Ansprechpartner sind. CareLink sorgt für Strukturen.
  • Bei der Elterninformation: Egal ob die Eltern an einer Veranstaltung oder schriftlich informiert werden – nicht selten werden Vorwürfe gegenüber der Schule laut. Eine Fachperson kann hier die psychologische Seite erklären und klären, die Schulleitung kann sich derweil auf andere Aspekte konzentrieren. CareLink deckt die psychologische Seite ab.

Fazit: Die Betreuung von Betroffenen nach einem Ereignis an einer Schule erfordert spezifisches Know-how. CareLink hat aus ihren bisherigen Einsätzen an Schulen die entsprechende Erfahrung gesammelt und vermittelt diese in der Weiterbildung an ihre Caregivers. In der Regel sind alle Ansprechgruppen – Schülerinnen und Schüler, Lehrpersonen und Eltern – froh um einen klaren, strukturierenden Blick von aussen und um externe, emotional nicht involvierte Unterstützung.