Careteam | Caregivers

Lesen Sie hier verschiedene ausgewählte Fachbeiträge aus den CareNews, dem Newsletter von CareLink, sowie weitere Artikel zum Thema Care, die in anderen Publikationen erschienen sind.

Die Auswahl der Artikel aus anderen Medien erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Deren Inhalt verantworten die Autorinnen und Autoren.

Wann macht ein firmeneigenes Interventions-Team Sinn?

Eine sachliche Darlegung von Pro und Kontra.
Quelle: CareNews Mai 2017

Die CareLink-Kunden können sich im Ernstfall voll und ganz auf das Know-how der erfahrenen Careteams verlassen. Einige wenige Kunden haben zusätzlich ein kleines internes Emergency-Team ausgebildet. Es trifft im Ernstfall erste Vorbereitungen, damit das professionelle Careteam von CareLink beim Eintreffen gleich anfangen kann. Wann ist ein internes Interventions-Team sinnvoll?

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Die einen Unternehmen entscheiden sich für ein internes Emergency- oder Interventions-Team, die anderen – und das sind mehr als 90 Prozent aller CareLink-Kunden – denken nicht daran. Beide Gruppen haben ihre guten Gründe. Eines haben sie indes gemein: Sie kümmern sich im Notfall umgehend um die Betroffenen, und sie stimmen ihre ersten Massnahmen mit Behörden, Blaulichtorganisationen und CareLink ab.

Sensibilisierung ist grundsätzlich sinnvoll
Ob Personalverantwortliche, Filialleiter oder Notfallmanager nun Teil eines Interventions-Teams sind oder auf Grund ihrer Führungsposition handeln: Sie tun prinzipiell gut daran, sich vorzubereiten und sich mit menschlichen Reaktionen auf ein potenziell traumatisches Ereignis zu befassen. So können sie im Notfall auch die geeigneten Massnahmen bestimmen und in die Wege leiten. «Im Rahmen unserer Notfallmanager-Ausbildung haben wir CareLink deshalb um eine kurze Ausbildung gebeten», sagt Jörg Seeholzer, der Sicherheitsverantwortliche der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB). Für die Betreuung Betroffener nach einem etwaigen Ereignis zieht er in jedem Fall CareLink bei. Bis zum Eintreffen des Careteams ist die BLKB-Notfallorganisation in telefonischem Kontakt mit CareLink, und der involvierte Notfallmanager fungiert dann in der Regel als Bindeglied zwischen Bank und CareLink.

Das interne Team bereitet vor
Andere Unternehmen haben für sich ein kleines internes Interventions-Team gebildet. CareLink hat dem Team in einem spezifischen Kurs das notwendige Basiswissen zur Betreuung Betroffener vermittelt. Die entsprechend geschulten Mitglieder des Teams können somit die erste Betreuung übernehmen, und sie entscheiden, ob eine Verstärkung durch CareLink notwendig ist. Wird bei grösseren oder komplexen Ereignissen CareLink aufgeboten, stehen bei der Ankunft des professionellen Careteams bereits etwa die Räume bereit, in denen Betroffene betreut werden können. Das interne Interventions-Team kehrt organisatorisch und infrastrukturell alles vor und überbrückt in der Betreuung, bis CareLink eintrifft. Es arbeitet dem Careteam von CareLink direkt in die Hand. Oft ist ein Mitglied des internen Emergency-Teams anschliessend auch das Bindeglied zwischen dem betroffenen Unternehmen und CareLink.

Was dafür spricht, was dagegen
Die beiden Beispiele zeigen: Ob ein unternehmenseigenes Interventions-Team sinnvoll ist, lässt sich nicht mit einem absoluten Ja oder Nein beantworten. Will ein Unternehmen bei kleinen Zwischenfällen selbst agieren können, macht ein eigenes Emergency-Team Sinn. Bei einem komplexeren Ereignis ist es für CareLink ideal, wenn das interne Team bereits mit den Betroffenen in Kontakt ist und deren wichtigste Bedürfnisse kennt. So können die Notfallpsychologen von CareLink direkt mit ihrer Betreuung beginnen.

Wer auf ein eigenes Emergency-Team setzt, muss aber auch ein paar Punkte beachten, die negativ ins Gewicht fallen könnten: Betriebsinterne Interventions-Teams aus- und weiterzubilden, ist unabdingbar, kostet aber Zeit und Geld. Die Mitglieder eines Teams müssen sich trotz allfälliger personeller Wechsel gut kennen und sie müssen regelmässig trainieren, um in der Lage sein, den Ernstfall bis zum Eintreffen von CareLink zu bewältigen. Dieser Punkt ist umso bedeutender, als gerade die erste Phase nach einem Zwischenfall meist chaotisch verläuft.

Vor dem Hintergrund des Zeit- und Kostenaufwands kommt ein internes Interventions-Team vor allem für Grossunternehmen oder für Firmen in Frage, die eine eigene Betriebsschutzorganisation, eine betriebsinterne Feuerwehr oder eine eigene Sanität unterhalten. Allerdings kann es auch in einem Grossunternehmen passieren, dass die Mitglieder des internen Emergency-Teams die Betroffenen kennen: Dann wird es schwierig, als Mitglied des Teams neutral zu bleiben und emotional die Distanz zu wahren, die es braucht, um Betroffene wirksam unterstützen zu können.

Fazit: Beide Wege – mit oder ohne unternehmenseigenes Interventions-Team – können zum Ziel führen. Der Aus- und Weiterbildungsaufwand, den ein eigenes Emergency-Teams nach sich zieht, darf allerdings nicht unterschätzt werden. Zudem müssen die Schnittstellen zwischen Notfallstab, eigenem Team und CareLink im Voraus klar definiert werden. Das Ziel bleibt letztlich immer das gleiche: Betroffene zu stabilisieren und ihre eigenen psychischen und physischen Ressourcen so zu aktivieren, dass sie so rasch wie möglich ihren Alltag wieder eigenständig meistern.

«Jetzt verstehe ich Zusammenhänge und Hintergründe noch besser.»

Interview mit Katja Iseli*, Notfallpsychologin und Teamleaderin
Quelle: CareNews Oktober 2015

Eine zertifizierte Notfallpsychologin lässt sich zur Teamleaderin ausbilden und besucht gleich auch noch den Backoffice-Kurs. So gewinnt sie eine ganzheitliche Sicht, macht für sich selber Rollen, Strukturen, Schnittstellen und Abläufe transparent und kann sich noch besser auf ihre Einsätze konzentrieren. Katja Iseli berichtet im Interview.

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Katja, du bist seit fünf Jahren für CareLink als Notfallpsychologin tätig und hast dich soeben zur Teamleaderin ausbilden lassen. Was hat dich dazu motiviert?
Katja Iseli: Ich bin von CareLink angefragt worden, ob ich mich als Teamleaderin bewerben möchte, und ich habe mit Freude zugesagt. Zum einen interpretierte ich die Anfrage als Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung, und zum andern interessierte mich, wie grössere Einsätze ablaufen: Was machen die Blaulichtorganisationen? Welche Rolle spielt CareLink? Wie gestalten sich die Schnittstellen? Und nicht zuletzt: Wie organisiert sich CareLink, um ihre Mitarbeitenden im Einsatz zu führen und zu unterstützen? Solche Fragen trieben mich an, und nach meinem erfolgreichen Assessment wurde ich zum Kurs zugelassen.

Und? Hat dir die Teamleader-Grundausbildung Antworten auf deine Fragen geliefert?
Katja Iseli: Ja. Der Kurs hat mir geholfen, Zusammenhänge besser zu verstehen. Nicht dass für mich alles neu gewesen wäre, aber unter dem Aspekt der Rollenklärung hat mir der Kurs viel gebracht. Er hat mir klar gezeigt, welche Unterstützung ich als Notfallpsychologin vom Teamleader oder von der Teamleaderin bekommen kann. Zudem weiss ich nun noch genauer, was im Hintergrund abläuft und welche Leistungen die betroffenen Personen, die betreut werden, beanspruchen können.

Die Ausbildung war für mich persönlich sehr bereichernd. Ich lernte Caregivers, andere Notfallpsychologen sowie Personen etwa aus der Logistik kennen, alle mit unterschiedlichen Hintergründen und Berufen. Genau diese Diversität erlebe ich auch in den Einsatzteams. Sich auszutauschen, sich über die eigene Rolle im Einsatzteam Gedanken zu machen, das alles empfand ich als sehr spannend und lehrreich. Deshalb beschloss ich unmittelbar nach dem Teamleader-Kurs, auch den Backoffice-Kurs zu besuchen.

So habe ich nun einen Gesamtüberblick über die Betreuung vor Ort – nicht nur als Notfallpsychologin, nicht nur als Teamleaderin, sondern ich weiss auch, was es sonst noch im Hintergrund braucht, um ein Ereignis erfolgreich zu bewältigen. Dass das übrigens so viel ist, war mir vor dem Backoffice-Kurs nicht so im Detail bewusst.

Was ist für dich der grösste Unterschied zwischen deiner aktuellen Rolle als Notfallpsychologin und der Teamleader-Rolle?
Katja Iseli: Bei kleineren Einsätzen bin ich als Notfallpsychologin oft allein unterwegs und für den Kunden die einzige Kontaktperson vor Ort. Dabei weiss ich jederzeit das CareLink-Team in Glattbrugg im Rücken. Es unterstützt und berät mich, während ich vor Ort so zu sagen Notfallpsychologin und Teamleaderin in einem bin. Bei grösseren Einsätzen sind ein Teamleader oder eine Teamleaderin und allenfalls Caregivers mit mir vor Ort, was für mich als Notfallpsychologin Vorteile hat: Ich muss mich nicht um Organisatorisches kümmern und kann mich voll auf meine Betreuungsaufgabe konzentrieren. Das entlastet sehr, denn der Teamleader oder die Teamleaderin hält mir den Rücken frei. Er oder sie strukturiert mit der Führung das Vorgehen, und wenn auch Caregivers zum Einsatzteam gehören, bin ich als Notfallpsychologin noch mehr entlastet.

Bin ich hingegen als Teamleaderin im Einsatz, so ist meine Rolle eine ganz andere: Ich bin da, um dem betroffenen Kunden, dem oder den Notfallpsychologen und den Caregivers den Rücken zu stärken. Ich manage das Team vor Ort und organisiere alles Notwendige. Damit stelle ich sicher, dass alle Mitglieder des Einsatzteams – dazu gehören vielleicht auch Personen für die Logistik – ihre Aufgaben optimal ausüben können. Der Kunde seinerseits hat in mir eine einzige Ansprechpartnerin vor Ort. Um seinen Auftrag auszuführen, muss ich stets die Übersicht haben, was wo läuft und wo zum Beispiel welche Informationen benötigt werden. Ich sorge dafür, dass alle Mitglieder des Careteams die Bedürfnisse ihrer Zielgruppen verstehen und erfüllen.

Nun hast du zwei Hüte auf, den der Notfallpsychologin und den der Teamleaderin. Läufst du nicht Gefahr, die beiden Rollen zu vermischen?
Katja Iseli: Das ist eben der springende Punkt: Es bedarf einer klaren Rollenklärung, auch im Team. Werde ich von CareLink als Teamleaderin eingesetzt, übernehme ich bewusst diese Rolle und kommuniziere das auch klar. Natürlich besteht eine gewisse Gefahr, sich in die notfallpsychologische Arbeit einzumischen. Doch das wäre fatal. Als Teamleaderin bin ich da, um andere zu unterstützen, aber nicht um sie in ihrer Arbeit zu stören. Meine beiden Hüte können andererseits auch ein Vorteil sein: Ich verstehe die Notfallpsychologen vor Ort auf Anhieb, denn wir sprechen die gleiche psychologische Fachsprache.

Welche Rolle ist für dich spannender?
Katja Iseli: Beide sind spannend und anspruchsvoll! Wenn ich bei einer kleineren Intervention allein vor Ort bin, dann trage ich beide Hüte. Die Situation entscheidet also über die Rolle oder die Rollen, die ich einnehme. Das CareLink-Team in Glattbrugg teilt mir bei jedem Einsatz klar mit, welche Rolle oder Rollen es mir zuteilt, und daran halte ich mich.

Nachdem du dich zur Teamleaderin ausgebildet hast: Gibt es Situationen, die du seither anders handhabst, wenn du allein als Notfallpsychologin im Einsatz bist?
Katja Iseli: Ja, ich werde den Einsatzleiter in Glattbrugg wohl noch mehr um Unterstützung bitten, als ich es bis jetzt getan habe. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Einsatzleiter immer für mich da ist – während und nach dem Einsatz. Nun weiss ich, dass ich diese sehr gute Betreuung bei Bedarf noch mehr nutzen kann: Das entlastet mich am Einsatzort.

Ich freue mich übrigens schon auf die Teamleader-Weiterbildung, die nächstes Jahr stattfindet: Dort werde ich mein Wissen über die Funktionsweise von CareLink und die Erwartungen der Kunden weiter vertiefen können.

Dein persönliches Fazit?
Katja Iseli: Eine ganzheitliche Sicht ist mir grundsätzlich wichtig. Deshalb schätze ich es, die Aspekte der Teamführung, des Backoffice und der Betreuung zu kennen. Für mich spielen alle Kenntnisse zusammen. Auch in meiner Beratungs- und Coaching-Tätigkeit kann ich zum Beispiel von Informationen aus der Notfallpsychologie profitieren, indem ich den Personen, die ich begleite, Schritt für Schritt Eigenverantwortung übergebe. In schwierigen Situationen – ob im Coaching oder nach traumatisierenden Ereignissen – ist die so genannte Selbstermächtigung zu eigenen weiteren Schritten essenziell.


* Katja Iseli ist Psychologin SBAP und zertifizierte Notfallpsychologin. Sie arbeitet als Berufs-, Studien- und Laufbahnberaterin beim BiZ in Bottmingen. In ihrem eigenen, auf Beratung, Coaching und Training ausgerichteten Unternehmen ist sie unter anderem auf das Coaching mit Schwerpunkt auf ADHS/ADS und das Asperger-Syndrom spezialisiert. Katja Iseli ist seit 2010 als Notfallpsychologin für CareLink tätig. Für den Schweizerischen Berufsverband für Angewandte Psychologie (SBAP) ist sie seit kurzem zuständig für die Ausbildung in Notfallpsychologie.


Auch Helfer brauchen Helfer

Niemand ist «unverwundbar»
Quelle: Carenews März 2014

Rund jeder zehnte Helfer, der mit Menschen nach traumatischen Ereignissen konfrontiert ist, läuft Gefahr, selber psychisch zu erkranken. Wie kann dieses Risiko reduziert werden? Regula Lanz, Leiterin Aus- und Weiterbildung bei CareLink und Notfallpsychologin, hat Antworten.

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Gemäss einer deutschen Studie des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe erleiden 2,3 Prozent der ehrenamtlichen Einsatzkräfte selber eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Dies ist dreimal mehr als beim Durchschnitt der Bevölkerung. Viel häufiger, nämlich bei 8,2 Prozent der Einsatzkräfte, treten als Folge der Belastungen jedoch andere stressbedingte Erkrankungen wie Burnout, Angststörungen, psychosomatische Beschwerden und Depressionen auf.

Wenn eigene Kräfte überschätzt werden
Die Gefahr der sekundären Traumatisierung in Helferberufen ist inzwischen allgemein bekannt. Dennoch wird von Sanitäts- und Rettungsdiensten, von Feuerwehren, Notfallpsychologen und CareTeams wie selbstverständlich erwartet, dass sie besser als andere mit aussergewöhnlichen Ereignissen und Belastungen umgehen können. Tatsächlich verfügen denn auch diese Berufsleute und freiwilligen Helfer in der Regel über ein hohes Mass an psychischer Gesundheit und Stabilität. Gleichzeitig neigen jedoch gerade psychisch stabile Personen nicht selten dazu, die eigenen Fähigkeiten und positiven Eigenschaften zu überschätzen respektive sich für „unverwundbar“ zu halten. Dies kann dazu führen, dass auftretende Symptome ignoriert werden und Helfende sich selber die Unterstützungsmöglichkeiten verwehren, die sie anderen zukommen lassen.

Die Organisation ist mitverantwortlich für Helfende
Einsatzorganisationen wie Rettungsdienste, Polizei, Feuerwehr, aber auch Care-Organisationen tragen eine entscheidende Mitverantwortung für die Erhaltung der Gesundheit ihrer Mitarbeitenden und Freiwilligen. Sie haben einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf deren Umgang mit den tätigkeitsbedingten Herausforderungen und Risiken. Umfassende Unterstützung muss präventiv, also bereits bei der Personalauswahl beginnen. Auf der personalen Ebene ist eine hohe Resilienz, das heisst, eine ausgeprägte Fähigkeit, mit Belastungen und Veränderungen umgehen zu können, wichtig. Aber auch eine realistische Selbsteinschätzung und eine gute Reflexionsfähigkeit sind unabdingbare Voraussetzungen.

Realistische Vorstellung vermitteln
Grosse Bedeutung kommt dann auch der Aus- und Weiterbildung zu. Wichtig ist, dass eine realistische Vorstellung der Aufgaben, der Chancen und der Risiken vermittelt werden kann. Neben den fachlichen Inhalten und dem Einüben von konkretem Handeln geht es dabei vor allem auch um die Beschäftigung mit der eigenen Psychohygiene. Dabei stehen die Themen Selbstregulierung, Selbstverantwortung und der Aufbau von konstruktiven Stressbewältigungsstrategien im Vordergrund. Entscheidend für die psychische Balance ist dabei die kontinuierliche und ereignisunabhängige Beschäftigung mit den Themen Belastung, Bewältigung und Ressourcenaktivierung. Ein natürlicher Zugang zu den eigenen Bedürfnissen und das Wissen, was einem gut tut, sind für die rasche Regeneration und das Wiederherstellen von „Normalität“ nach einem Einsatz wichtig. Die Verfügbarkeit von psychosozialer Unterstützung innerhalb der Organisation, aber auch im privaten Umfeld, stärkt die psychische Balance.

Strukturen geben Sicherheit
Innerhalb der Organisation trägt die Förderung sozialer Anerkennung und gegenseitiger Wertschätzung, aber auch ein humorvoller Umgang miteinander zu einem positiven Arbeitsklima und damit zur Psychohygiene des Einzelnen bei. Mit klaren Vorgaben bezüglich Einsatzorganisation, Teamzusammensetzung, Informationsfluss, Einsatzdauer und institutionalisierter Nachsorge wird ein Rahmen geschaffen, der vor, während und nach einem Einsatz Struktur und damit Sicherheit vermittelt. Psychosoziale Einsatzvorbereitung, Begleitung während dem Einsatz und Nachsorge sind so als selbstverständliche Elemente in der Organisation verankert und damit integraler Bestandteil eines Einsatzes. Dabei hat sich auch der Einsatz von Peers, das heisst die Einbettung von speziell ausgebildeten Kameraden als Ansprechpersonen, sehr gut bewährt. Dieser strukturelle Rahmen trägt zur Akzeptanz von psychosozialer und notfallpsychologischer Begleitung bei und verringert die Schwelle, damit Helferinnen und Helfer bei Bedarf auch selber Unterstützung anfordern.

Fazit

Die Tätigkeit als Einsatzhelfer oder als Einsatzhelferin birgt das Risiko, selber psychisch zu erkranken. Davor ist niemand gefeit. Sind die oben aufgeführten persönlichen und organisatorischen Voraussetzungen erfüllt, sind Einsatzkräfte und Freiwillige jedoch gut gerüstet, um die Herausforderungen ihrer Tätigkeit zu bewältigen und ihre psychische Balance immer wieder zu erlangen. Wenn dies gelingt, kann die Tätigkeit als Einsatzhelfer, sei es im beruflichen oder freiwilligen Rahmen, als ausgesprochen Sinn stiftend und befriedigend erlebt werden.

Quellen:
- Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe: „Prävention im Einsatzwesen“; Krüsmann, Karl, Schmelzer & Butollo, 2006
- Hausmann: Handbuch Notfallpsychologie und Traumabewältigung

Gefühle können ansteckend sein

Und doch braucht Betreuung Empathie
Quelle: Carenews Dezember 2012

Emotionen gehören zur Betreuung. Emotionale Beteiligung hilft, mit der betroffenen Person in Verbindung zu treten. Doch Gefühle können in der Betreuung auch zum Problem werden. An der Freiwilligentagung von CareLink haben die Teilnehmenden von Prof. Dr. Gernot Brauchle Hilfsmittel für den Umgang mit eigenen Gefühlen erhalten.

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Wer als Caregiver oder Notfallpsychologin betroffenen Menschen beistehen will, muss sich emotional beteiligen. Daraus entsteht Empathie, also die Fähigkeit und Bereitschaft, sich in andere Menschen einzufühlen.Empathie macht Care, die Betreuung Betroffener, erst möglich.

Empathie lässt sich bewusst steuern

Für Helfende ist es wesentlich, das Werkzeug der emotionalen Beteiligung zu beherrschen. Sie müssen das Mass des Möglichen und des individuell für sie Machbaren kennen und sich der Folgen daraus gewahr sein, um es gezielt für die Betreuung von Betroffenen zu nutzen. Die eigene Empathie lässt sich bewusst steuern und einsetzen.

Die Stimmung einer Person, die zum Beispiel Angst oder Trauer empfindet, kann allerdings Besitz ergreifen von der sie betreuenden Person und ganz zu deren eigenem Gefühl werden. Dieses Phänomen der Gefühls- oder Affektansteckung – auf Englisch: Emotional Contagion – ist angeboren und lässt sich bereits bei Säuglingen und Kleinkindern beobachten: Weint ein Baby, bricht das Geschwister oft auch in Tränen aus.

Gefühlsansteckung passiert ungewollt

Gegen Gefühlsansteckung kann sich der Mensch nicht wehren. Deshalb empfindet er diese im Erwachsenenalter als Eindringen. Während Empathie nicht zwingend eine Identifikation mit der anderen Person erfordert, passiert bei der Gefühlsansteckung ungewollt und unbewusst genau das. Viele Helfende erleben sie deshalb als Kontrollverlust und fühlen sich hilflos. Das verursacht Ängste, und aus diesen Ängsten entstehen Fehler in der Betreuung. Ein Beispiel: Aus lauter Angst, Tränen könnten ihnen in die Augen steigen oder gar Weinkrämpfe könnten sie schütteln, verzichten Helfende auf die Betreuung von gewissen Personen, oder sie lehnen es ab, eine Todesnachricht zu überbringen. Dabei ist erwiesen, dass eine Gefühlsansteckung in der Regel keinen Weinkrampf hervorruft, sondern höchstens ein paar Tränen. Genau hier liegt der Unterschied: Die helfende Person ist nicht selber vom Ereignis betroffen, sondern nur von der betroffenen Person angesteckt.

Wissen um den Unterschied hilft

Dieses Wissen beruhigt die Helfenden. Für die Personen, die sie betreuen, bedeutet es, dass die Helfenden tatsächlich Empathie empfinden und sich in ihre Lage versetzen können. Das vermag Vertrauen zu schaffen. Darum ist es bei einer Gefühlsansteckung wichtig, sich den emotionalen Unterschied zwischen sich und der anderen Person vor Augen zu führen. Eine Gefühlsansteckung kann auch zum Thema im Betreuungsgespräch gemacht werden: Die betreuende Person darf ruhig zugeben, dass sie die Gefühle des betroffenen Menschen berühren.

Das Wissen um diese feinen Unterschiede führt zu einem kontrollierten Kontrollverlust: Die betreuende Person kann sich einlassen – ohne Angst, die Kontrolle total zu verlieren. Sie ist sich ihrer eigenen Handlungs- und Reaktionstendenzen bewusst, und das erlaubt ihr, zu agieren statt zu reagieren, und sie fühlt sich so lange verantwortlich, wie der Einsatz dauert.

* Prof. Dr. Gernot Brauchle ist Gesundheits- und Notfallpsychologe und leitet das Institut für Angewandte Psychologie an der UMIT Tirol, der privaten Universität für Gesundheitswissenschaften sowie medizinische Informatik und Technik.

Wie sag ich's meinem Kinde?

Der besondere Umgang mit dem Tod
Quelle: Carenews September 2012

Eine nahe stehende Person ist gestorben. Wie überbringe ich diese Nachricht meinem Kind? An der Freiwilligentagung  plädierte Prof. Dr. Gernot Brauchle eindrücklich und mit konkreten Beispielen für einen kind- und altersgerechten Umgang mit dem Thema Tod.

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Erwachsene neigen zum vermeintlichen Schutz von Kindern dazu, das Thema Tod und Sterben „totzuschweigen“. Deshalb werden Kinder nach einschneidenden Ereignissen oft „übersehen“. Ein fataler Fehler, denn damit wird ihnen die Möglichkeit entzogen, auf ihre Art zu trauern, Fragen zu stellen und so Ängste und Unsicherheit abzubauen. Sie sind ausgeschlossen, können nicht zur Trauerarbeit der Familie beitragen, wodurch sie ein Stück Kontrolle wiedererlangen würden.


Eltern entscheiden oft für die Kinder, dass diese an der Beisetzung zum Beispiel des Grossvaters nicht teilnehmen werden, weil der Anlass für sie zu traurig sei. Richtig wäre, sie zu fragen, ob sie dabei sein wollen oder nicht. Die Frage können auch kleinere Kinder durchaus beantworten, selbst wenn sie noch nicht genau wissen, was das bedeutet. Doch die Frage zeigt ihnen, dass sie Teil der Familie sind. Für die Trauerfeier sollte man dem Kind eine Vertrauensperson zur Seite stelle, damit diese jederzeit die Beerdigung mit dem Kind verlassen kann, wenn es dem Kind zu lange dauert.

Je nach Alter hat Tod eine andere Bedeutung
Das Alter der Kinder bestimmt, wie Erwachsene am besten mit ihnen umgehen, wenn es um Tod und Sterben geht:

  • Unter drei Jahren: Ab etwa dem siebten Lebensmonat haben Kinder bereits stabile Bindungen aufgebaut. Stirbt jemand, wird die Person verzweifelt gesucht. Die Kinder weinen.
  • Von drei bis sechs Jahren: Diese Alterskategorie hat eine ganz besondere Beziehung zum Tod: Er ist für sie austauschbar, nicht endgültig. Kinder in diesem Alter betrachten das Totsein als Zwischenzustand: Wer tot ist, kann wieder lebendig werden – ein bisschen wie ein kaputtes Spielzeug, das wieder geflickt werden kann. Deshalb weinen Kinder zwischen drei und sechs Jahren nicht unbedingt. Sie leben in einer magischen Welt, in der ein toter Bruder ins Leben zurückgezaubert werden kann: „Auf Weihnachten wird er bestimmt nach Hause kommen.“ Oder dann lebt die verstorbene Person in anderer Form weiter. Daraus entstehen Fragen wie diese: „Essen Tote dasselbe wie wir?“
  • Von sechs bis neun Jahren: Nun haben die Kinder ein Zeitgefühl und wissen, dass der Tod endgültig ist. Für sie ist aber Totsein etwas für Alte und Kranke. Stirbt eine jüngere Person, können Kinder dieses Alters die Tatsache nur schwer hinnehmen, da sie nicht in ihre Realität passt und sie an die Unsterblichkeit zu glauben beginnen: „Vielleicht ist mein Bruder gar nicht richtig tot – vielleicht schläft er nur ganz fest oder hält die Luft an.“ Der Tod ist für diese Alterskategorie auch faszinierend, er ist spannend, aufregend, interessant, ja sogar gruselig.
  • Von neun bis zwölf Jahren: Jetzt wissen die Kinder, dass alle Menschen sterben müssen, unabhängig ihres Alters, und jetzt wollen die Kinder exakte Informationen.
  • Ab zwölf Jahren: Jugendliche in der Pubertät beschäftigen sich meist intensiv mit dem Tod und damit, was danach sein könnte. Sie hinterfragen die Informationen, die sie bis jetzt zum Thema hatten: „Kann ich das, was meine Eltern, meine Lehrer usw. erzählen, auch wirklich glauben?“ Den alten Kinderglauben werfen sie über Bord. Was die Freundinnen und die Kollegen sagen und glauben, gewinnt an Bedeutung.

Wahrnehmung des Todes beeinflusst Trauerarbeit
Je nach Alter und Wahrnehmung des Todes gehen Kinder anders mit dem Thema um. Danach sollte sich auch das Verhalten der Erwachsenen gegenüber Kindern richten. Für alle Altersklassen gilt indessen der Dreierschritt der Kommunikation:

  1. Ehrlich informieren
  2. Die eigenen Emotionen und die des Kindes ansprechen
  3. Sicherheit und Hoffnung gebe

Eine Faustregel: Die Fragen der Kinder leiten die Kommunikation. Auf diese Fragen sollten die Erwachsenen ehrlich und sofort antworten. Wenn sie etwas nicht wissen, sollen sie dies zugeben. Ganz wichtig ist, dass sie nur Antworten auf die Fragen der Kinder geben. Antworten auf Fragen, welche die Kinder gar nicht beschäftigen, verwirren mehr, als dass sie Halt geben.

Kinder stellen nicht nur unterschiedliche Fragen, sie reagieren auch unterschiedlich: Während die einen weinen, werden andere aggressiv, wieder andere ziehen sich in sich selbst zurück. Auch hier ist ein altersgerechter Umgang wichtig. Helfen können folgende Tätigkeiten:

  • Malen, modellieren, Rollenspiele spielen
  • Zuversicht vermitteln: Die Kinder dürfen sich einen tröstlichen Himmel vorstellen. Sie brauchen Orientierung, Stabilität und Kontinuität, und sie müssen wissen, dass sie mit ihren weiteren Bezugspersonen zusammenbleiben werden, dass das Leben weitergeht. Ganz wichtig ist, in dieser Phase den normalen Tagesablauf einzuhalten mit Mahlzeiten, Schule, Spiel und Ritualen wie der Gute-Nacht-Geschichte.
  • Kinder zu nichts zwingen, aber überall einbeziehen, wo sie es wünschen.


Dem Tod kann niemand entgehen, der Trauer auch nicht. Kleine Kinder können das noch nicht begreifen. Das heisst aber nicht, dass sie die Erwachsenen von der Erfahrung des Todes fernhalten sollen. Vielmehr müssen sie dem Kind und dessen Alter entsprechend mit dem Thema umgehen.

* Prof. Dr. Gernot Brauchle ist Gesundheits- und Notfallpsychologe und leitet das Institut für Angewandte Psychologie an der UMIT Tirol, der privaten Universität für Gesundheitswissenschaften sowie medizinische Informatik und Technik.

Interview mit Franz Bucher, Geschäftsleiter von CareLink auf SRF1

Tagesgespräch vom Mittwoch, 14.03.2012, 13.00 Uhr

Das Busunglück im Wallis hat betroffen gemacht: 28 Personen starben, davon 22 Kinder. Die Eltern, die Überlebenden, die Mitschüler, aber auch die Polizei, die Rettungsleute, die Augenzeugen - sie alle waren zum Teil überfordert, mussten betreut werden, brauchten Hilfe bei der Verarbeitung des schrecklichen Unglücks. Für sie waren in der Schweiz, aber auch in Belgien, Careteams im Einsatz. Franz Bucher, Geschäftsleiter der Stiftung CareLink hat selber schon in Careteams gearbeitet und war Gast im Tagesgespräch bei Urs Siegrist.

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Erlebtes im Gespräch verarbeiten

Damit der Einsatz nicht belastend nachwirkt
Quelle: Carenews März 2011

Barbara Fehlbaum verantwortet bei CareLink die psychologische Fachunterstützung. Nach einem Einsatz führt sie mit den involvierten Freiwilligen je ein individuelles Einzelgespräch. Davon profitieren alle – auch CareLink als Organisation.

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Frau Fehlbaum, Sie sind Psychologin und gehören zusammen mit Ihrer Berufskollegin Regula Lanz zum CareLink-Kernteam in Kloten. Können Sie Ihre Tätigkeiten kurz zusammenfassen?

Barbara Fehlbaum: Einerseits mache ich im Aus- und Weiterbildungsteam mit, das unsere Caregivers auf zukünftige Einsätze vorbereitet. Andererseits pflege ich den Kontakt zu den Verbänden, die Notfallpsychologen ausbilden, und ich bilde die Notfallpsychologen weiter, die zum Freiwilligenteam von CareLink gehören. Ein weiterer wichtiger Teil meiner Arbeit besteht darin, nach dem Einsatz von Caregivers, Teamleaders und Notfallpsychologen Gespräche mit ihnen zu führen. Und natürlich bin ich bei einem Ereignis häufig auch selbst im Einsatz.

Die Gespräche nach einem Einsatz: Wie laufen sie ab? Was können sie bewirken?
Barbara Fehlbaum: Ein Einsatz kann für die Helferin oder den Helfer selbst zur Belastung werden. Deshalb nehme ich nach jedem Einsatz Kontakt auf mit allen Freiwilligen, die involviert waren. Ich rufe jede einzelne Person an, oder ich treffe sie zu einem Gespräch.

Die Notfallpsychologie ist ein relativ neues Fachgebiet. In den Anfängen der notfallpsychologischen Betreuung von Einsatzkräften stand das Debriefing im Vordergrund, um Belastungsreaktionen zu verhindern oder zu minimieren. Ein eher allgemein gehaltenes Debriefing kann jedoch die psychische Verfassung eines Caregivers nur bedingt auffangen. Darum haben wir bei CareLink nie Debriefings durchgeführt, sondern von Beginn weg auf Einzelgespräche gesetzt. Sie sind weitaus wirksamer.

In diesen Gesprächen geht es darum, den Einsatz noch einmal aus etwas Distanz anzuschauen. Dabei ist es wichtig, herauszukristallisieren, ob im persönlichen Bereich noch irgendwelche Fragen, Bedenken oder belastende, vielleicht sogar negative Gefühle vorhanden sind. Im Einsatznachgespräch lassen sich diese in der Regel klären oder ausräumen. Es geht aber auch darum, wie wir bei CareLink unsere eigenen Strukturen noch weiter verbessern können, wo z.B. Schnittstellen noch nicht optimal funktionieren, wo es Engpässe im Informationsfluss gibt usw. Dieser Austausch gibt mir nicht zuletzt auch die Möglichkeit, mit dem Team in engem Kontakt zu bleiben, was für zukünftige Einsätze nicht ganz unwichtig ist.

Im Ernstfall werden verschiedene Personen in verschiedenen Funktionen eingesetzt. Inwiefern unterscheiden sich die Einsatznachgespräche z.B. mit einem Caregiver und einer Notfallpsychologin?

Barbara Fehlbaum: Grundsätzlich besteht kein Unterschied zwischen einem Einsatznachgespräch mit einem Caregiver und einem Notfallpsychologen – ausser dass eine psychologisch ausgebildete Person eventuell etwas mehr Fachfragen vorbringt. Freiwillige, die vielleicht das erste oder zweite Mal im Einsatz gewesen sind, beschreiben ihre Interventionen und Aktionen sehr detailliert, und ich gebe ihnen eine entsprechend differenzierte Rückmeldung. Es besteht also eher ein Unterschied, ob eine Person seit Jahren schon Einsätze leistet und ich sie in ihrer Arbeit sehr gut kenne, oder ob ein Mitglied noch eher neu im Freiwilligenkorps mitwirkt.

Manchmal laden Sie auch ein ganzes Team zu einem gemeinsamen Einsatznachgespräch ein.

Barbara Fehlbaum: Teamanlässe ersetzen die persönlichen, individuellen Einzelgespräche nicht. Bei Teambesprechungen steht eher der gesamte Ablauf eines Einsatzes im Mittelpunkt. Es ist oft auch die erste Möglichkeit der Teammitglieder, sich untereinander auszutauschen und zu erfahren, was die anderen erlebt haben. Je nach Einsatz arbeiten die involvierten Personen an völlig unterschiedlichen Orten. In diesem Fall ist es für sie und für mich wichtig, ein Gesamtbild des Einsatzes zu erhalten.

In den vergangenen Jahren haben Sie sehr viele Einsatznachgespräche geführt. Was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben oder aufgefallen? Was hat Sie besonders beeindruckt?

Barbara Fehlbaum: Mich beeindruckt immer wieder, wie professionell die Freiwilligen die Arbeit im Einsatz aufnehmen. Fast alle haben im ersten Moment, wenn der Alarm ausgelöst wird, Herzklopfen oder hegen insgeheim vielleicht Zweifel, ob sie die Herausforderung bewältigen können. Und immer wieder stelle ich anerkennend fest, dass sich die Freiwilligen diesen oft schwierigen Situationen extrem bewusst und überlegt stellen.

Sie wirken seit der Gründung vor zehn Jahren bei CareLink mit. Gab es in dieser Zeit besonders einschneidende Erlebnisse?

Barbara Fehlbaum: Ja, die gab es schon. Die beiden Einsätze, an die ich mich wohl mein Leben lang erinnern werde, waren für mich nach dem Tod eines Säuglings und die Überführung von Waisenkindern aus Haiti in die Schweiz nach dem Erdbeben vor etwas mehr als einem Jahr. Auch ich muss nach solchen Einsätzen darüber sprechen, und das tut gut.

«Diese Gespräche sind ein Geschenk»

Freiwillige berichten
Quelle: Carenews März 2011

Caregivers und Psychologen sind sich einig: Sich aussprechen zu können nach einem Einsatz, das hilft! Und sie streichen noch weitere positive Punkte des Einsatznachgesprächs heraus.

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Renate Eichenberger sagt es gleich zu Beginn: «Ein Einsatz – egal welcher Art – belastet.» Zudem ist die Zeit während des Einsatzes in der Regel zu knapp, um sich mit den anderen Mitgliedern des Careteams auszutauschen. Umso mehr schätzt Renate Eichenberger das Einsatznachgespräch mit der CareLink-Psychologin Barbara Fehlbaum: «Ich kann Belastendes aussprechen und trage es danach nicht oder zumindest nicht so stark mit mir herum.» Renate Eichenberger nutzt das Gespräch zur offenen Reflektion – und zudem als «Lernstunde für die Zukunft».


Die nützlichen Tipps, die er im Einsatznachgespräch erhält, bezeichnet auch Heinz Marty als hilfreich: «Ich kann jeweils von Barbara Fehlbaums reichem Erfahrungsschatz profitieren.» Gemeinsam mit ihr überprüft er Nutzen und Wirkung seiner Interventionen und wägt sie – unter Einbezug der Rahmenbedingungen – gegen allfällige andere Vorgehensmuster ab. Das gibt ihm die Sicherheit, angemessen gehandelt zu haben. «Im letzten Gespräch beispielsweise konnten wir das Vorgehen beim Überbringen von Todesnachrichten klären.» Sie werde in ihren Wahrnehmungen und Aktionen bestätigt, sagt auch Psychologin Karin Schifferle. Und gleichzeitig könne sie dank Barbara Fehlbaums Nachfragen noch «blinde Flecken» entdecken, an die sie noch nicht gedacht oder die sie noch nicht in Betracht gezogen habe.

In den Einsatznachgesprächen, wie sie CareLink pflegt, steckt hohe Professionalität und fachliche Kompetenz. Das hebt auch Caregiver Inga Fürst hervor, die bereits mehrere Einsätze hinter sich hat. Der Fragebogen, den sie von Barbara Fehlbaum jeweils nach längeren Einsätzen erhält, ist ihr eine besondere Erwähnung wert: «Er hilft mir, nochmals alle Punkte zu reflektieren und mich zu strukturieren.» Das Einsatznachgespräch folgt denn auch diesem Fragebogen. Wichtig ist für Inga Fürst ebenso, dass je nach Grösse des Careteams nochmals alle Beteiligten zusammenkommen, um sich auszutauschen. «Das gibt dem Ganzen einen guten, runden Abschluss.»

Karin Schifferle betont schliesslich die Wertschätzung, die sich durch diese Gespräche ausdrücke: «Als Helferinnen und Helfer sind wir es gewohnt, eigentlich immer nur zu geben.» Deshalb empfindet sie es als beruhigend, ein Team hinter sich zu wissen, das sie unterstützt. «Die Einsatznachgespräche erlebe ich als wohltuendes Geschenk an mich. Danke!»