Newsletter-Archiv 2016/15

Der eine geht, der andere kommt

Franz Bucher verabschiedet sich an der Fachtagung, Walter Kälin stellt sich vor.
Franz Bucher hat gezählt: An dem Tag im Oktober, als die Fachtagung stattfand, war CareLink gerade 5550 Tage alt. Alle 5550 hat er mitgeprägt – und die Geschäftsleitung jetzt an Walter Kälin übergeben.

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CareLink – der Name trägt alles in sich, was das erfolgreiche Bewältigen einer Krise und die Betreuung Betroffener ausmacht. Franz Bucher hat es an der Fachtagung vor rund 200 Teilnehmenden durchbuchstabiert. Ein Abschied in acht Buchstaben – die zugleich der Inhalt der letzten 15 Jahre seines Berufslebens waren.

Klar, das C steht für Care, aber auch für Chaos. Jedes Ereignis zieht fürs Erste eine Chaosphase nach sich, doch dieser ist mit Checklisten beizukommen. Wer allerdings glaubt, mit Checklisten gleich alles bewältigen zu können, liegt wohl falsch. Dann A wie Abstand und Anstand: Ein Caregiver braucht beides, um Betroffene zu unterstützen, ohne selber zu leiden, und um sich korrekt zu verhalten. Beim R mahnte Franz Bucher, genügend Ressourcen zu planen und Rapporte im Krisenstab sauber zu strukturieren, was gar nicht immer so einfach sei. Zu E wählte er unter anderem Entscheide, die mit Engagement umzusetzen seien, das führe zu L wie Lösungen. Bei I wie Information seien bitte die internen Zielgruppen nicht zu vergessen, und beim N plädierte Franz Bucher dafür, aus Schnittstellen Nahtstellen zu machen, nur so lasse sich ein Ereignis im Team meistern. Blieb schliesslich das K wie zum Beispiel Kooperation: „In der Regel sind Sie nicht für alles verantwortlich, kooperieren Sie im Krisenfall mit Blaulichtorganisationen, Untersuchungsbehörden und Medien“, forderte Franz Bucher auf.

Der Theologe und Kabarettist Wolfgang Weigand brachte darauf den schwärzesten Humor und die durchdachtesten Wortspiele auf die Bühne, um Franz Bucher auf seine Pensionierung vorzubereiten. Roland Frey, Präsident der Stiftung CareLink, bezeichnete Franz Buchers Wirken als Meisterleistung: „Die bisherige, 15-jährige CareLink-Geschichte ist auch die Geschichte von dir, Franz. Dein Flair für Care ist legendär!“ Er wird es weiter pflegen – als Mitglied des Stiftungsrats.

Franz Buchers Nachfolger Walter Kälin leitet nun seit 1. November die Geschäfte von CareLink. An der Fachtagung stellte er sich vor – mehr zu seiner Person im separaten Text. Und es zeigte sich sehr schnell, dass er seinem Vorgänger etwas voraus hat: Aus den acht Buchstaben von CareLink lassen sich die sechs Buchstaben seines Familiennamens bilden. CareLink und Kaelin – für einmal mit ae statt mit ä geschrieben – das passt perfekt. Die Erfolgsgeschichte von CareLink kann weitergehen.

Tausend Mann und ein Befehl

Klemens Reindl und Heiner Brunner über die wohl schwierigste Rettungsaktion ihres Lebens
Was ist von einem Notruf zu halten, der 13 Stunden nach einem Unglück eintrifft? Das fragten sich Klemens Reindl und Heiner Brunner auch – damals, am Pfingstsonntag 2014. Elf Tage und zehn Stunden später war der Höhlenforscher Johann Westhauser aus der Riesending-Höhle, der tiefsten und längsten Höhle Deutschlands, gerettet. Sein Kollege, der den Alarm auslöste, hatte für Auf- und Ausstieg 13 Stunden gebraucht. Und Klemens Reindl und Heiner Brunner von der Bergwacht Bayern brauchten Höhlenretter aus fünf Nationen, um Johann Westhauser herauszuholen. An der CareLink-Fachtagung gaben sie ihre Erfahrungen weiter.

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Die Lage schien schier aussichtslos. Ein Mensch mit schwerer, lebensbedrohender Hirnblutung, nachdem ihn ein herabfallender Felsbrocken am Helm getroffen hatte. Eine Höhle fast dreimal so tief wie der Berliner Fernsehturm hoch. Kommunikation mit dem Unfallort unmöglich – vorerst zumindest. Was Klemens Reindl und Heiner Brunner an der CareLink-Fachtagung zu berichten hatten, war zuerst beklemmend, dann eindrücklich. Ihre Rettungsaktion, an der mehr als 20 Organisationen und rund 1000 Personen beteiligt waren, ist bereits in die Geschichte der alpinen Rettung eingegangen. Hier ihre fünf wichtigsten Punkte, beispielhaft für jeden mehr oder weniger komplexen Einsatz.

Jetzt nur nichts überstürzen. Was macht ein Retter, wenn es um Leben und Tod geht? Er rennt los. Klemens Reindl und Heiner Brunner haben das verhindert – „ein grosses Stück Arbeit“, sagen sie. Die Steinschlaggefahr musste zuerst eingedämmt und ein Arzt gefunden werden, der sich in die Höhle wagte. Dort ist es finster und feucht, zudem laut, weil unablässig irgendwo Wasser rauscht. Die Gänge sind steil bis senkrecht, stellenweise eng. Das fordert physisch und psychisch extrem heraus. Erst am fünften Tag nach dem Unglück konnte ein Arzt zum Patienten gelangen. Für dessen Transport, 1000 Höhenmeter nach oben, wurde gar ein Wasserfall umgeleitet.

Stimmungen spüren – und Befehle erteilen. Unterschiedlicher hätten die Mentalitäten kaum sein können: 116 Höhlenretter aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien und Kroatien, alle vom eigenen Know-how überzeugt, und weitere rund 900 Rettungs- und Unterstützungskräfte waren an der Aktion beteiligt. Klemens Reindl und Heiner Brunner lösten Verständigungsprobleme, indem sie Kollegen aus dem Südtirol beizogen.  Diese übersetzten und vermittelten, gemeinsam mit ihnen, auch menschlich und mentalitätsmässig. Zugleich war für alle klar, wer den Einsatz leitete. Klemens Reindl und Heiner Brunner schufen für ihre Führungsaufgabe auch ganz klare Strukturen.

Grenzen erkennen. Wer hilft und rettet, kann sich im Eifer selbst vergessen und sich bis zur Erschöpfung ausbeuten. Jeden Tag waren bis zu 80 Personen mit Rettungsarbeiten in der Höhle beschäftigt. Sie mussten nicht nur mit Essen und mit Material versorgt werden. Wer wann einstieg, wurde auch genau registriert, damit niemand zu lange unter Tage blieb und jeder genügend Kräfte für den Auf- und Ausstieg hatte.

Die Medien gehören dazu. Die Rettung des verunfallten Höhlenforschers Johann Westhauser zog die Medien in Scharen an. Rund fünfzig Kamerateams zählten Klemens Reindl, Heiner Brunner und der Medienverantwortliche der Bergwacht Bayern. „Es war ein Kommen und Gehen – übrigens auch der Politprominenz.“ Drei improvisierte Medienkonferenzen pro Tag hielten sie ab. Die offensive Medienarbeit bewährte sich, und die akkreditierten Medienleute konnten auf Informationen zählen.

Aber die Medien gelangen nicht überall hin. Die Feuerwehr Berchtesgaden stellte dem Krisenstab ihr Gebäude zur Verfügung und riegelte den Aussenbereich mit Fahrzeugen ab. Die Höhlenretter konnten sich in der ebenfalls abgeschirmten Kaserne der Bundeswehr erholen. An einer Pressewand hingen die Zeitungsberichte. So erfuhren sie, wie sie und ihre Rettungsaktion zu Hause und in aller Welt aufgenommen wurden. Die Partner, die mit dem verunfallten Johann Westhauser in der Höhle gewesen waren, und die Angehörigen, die angereist waren, konnten sich in eine Ferienwohnung zurückziehen. Die Adresse kannten nur sie und die Einsatzleiter.

Grosses Aufatmen nach nahezu zwölf Tagen: Johann Westhauser wurde mit dem Helikopter in die Unfallklinik Murnau geflogen. Die Retter fielen sich in die Arme. Johann Westhauser hat sich von seinem Schädel-Hirn-Trauma erholt.

1. Schweizer Krisen- und Notfallkonferenz

Know-how auffrischen, damit es jederzeit abrufbar ist
Sich auf Krisen und Notfälle vorzubereiten und Know-how aktuell zu halten, ist heute Pflicht. Für jede Führungsperson, jeden HR-Bereich und jedes Sicherheits- und Kommunikationsteam. Der 17. Januar 2017 ist der Tag dafür: Die 1. Schweizer Krisen- und Notfallkonferenz vermittelt Wissen.

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Wie geht das schon wieder mit den drei C, welche die Strukturen zum Bewältigen eines Ereignisses schaffen? Die drei C stehen für „Command“, „Communication“ und „Care“: die Fäden in der Hand behalten, zeitnah und transparent kommunizieren und die Betroffenen professionell betreuen. Doch so einfach umzusetzen ist das nicht. Darum legen die Fachleute von 2assistU und von CareLink sowie die beiden Kommunikationsprofis Franco Gullotti und Roland Binz ihre Kompetenzen zusammen für die 1. Schweizer Krisen- und Notfallkonferenz. Sie findet am Dienstag, 17. Januar 2017, im Technopark Aargau in Brugg statt.

Wer teilnimmt, wird erfahren, wie sich das Krisenmanagement trotz knapper Ressourcen organisieren lässt, wie Kommunikationskonzepte helfen, eine Krise auch als Chance zu nutzen, und wie die Fürsorgepflicht gegenüber Betroffenen wahrgenommen werden kann. Carine Lins wird als CareLink-Vertreterin zum Thema Betreuung referieren. Auch das Beispiel, wie ein Krisenkommunikationssystem für einen Tourismuskonzern aufgebaut wird, ist attraktiv.

Weitere Informationen und elektronische Anmeldung zur 1. Schweizer Krisen- und Notfallkonferenz: www.sknk.ch.

Psychologische Nothilfe: Kurse auf Bundesebene sichergestellt

CareLink übernimmt die administrative Leitung
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) bietet ab 2017 aus Spargründen keine Care-and-Peer-Ausbildungen mehr an. Doch die Kurse in psychologischer Nothilfe gibt es weiterhin: Der Verein notfallpsychologie.ch und CareLink haben zusammen mit dem Koordinierten Sanitätsdienst (KSD) eine schweizweite Lösung erarbeitet.

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Zusammen mit dem Verein notfallpsychologie.ch stellt CareLink sicher, dass die Ausbildung in psychologischer Nothilfe nahtlos weiterhin möglich ist. Die Lösung hat sich dank erfahrenen Dozentinnen und Dozenten ergeben, die bisher im Auftrag des BABS tätig gewesen sind. CareLink übernimmt die Administration der Kurse und koordiniert sie.

Für 2017 werden 30 Ausbildungstage verteilt auf 6 Wochen angeboten. Für die Zeit ab 2018 entwickeln verschiedene involvierte Stellen gemeinsam Lösungen, um die Aus- und Weiterbildung im Bereich der psychologischen Nothilfe unter der neuen Trägerschaft noch umfassender zu etablieren.

Das Angebot ist vor allem für kantonale Care-Organisationen interessant sowie für so genannte Peers, die zum Beispiel Angehörige von Polizei- oder Feuerwehrkorps nach belastenden Einsätzen betreuen.

Mehr zum Angebot

Für weitere Auskünfte: cpp@carelink.ch

Ein Forschungsteam identifiziert Risiken einer Posttraumatischen Belastungsstörung

Warum sind die einen belastbarer als die andern?
Die einen kommen besser über ein belastendes Erlebnis hinweg, die andern laufen Gefahr, eine Posttraumatische Belastungsstörung oder eine Depression zu entwickeln. Woher diese Unterschiede? Anke Ehlers, Professorin für experimentelle Psychopathologie an der University of Oxford, ist der Frage in einer Studie auf den Grund gegangen. Die Resultate können zu neuen Trainings führen.

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Gerade Mitarbeitende von Blaulicht- und Care-Organisationen sehen sich immer wieder Situationen gegenüber, die sie emotional behelligen. Damit steigt auch ihr Risiko, psychisch zu leiden oder gar zu erkranken. Nur ist dieses Risiko nicht bei jedem Menschen gleich hoch.

Das Forschungsteam um die Psychologin Prof. Dr. Anke Ehlers hatte sich für seine Studie zum Ziel gesetzt, allfälligen Risikofaktoren, die eine mögliche Erkrankung vorhersagen, auf die Spur zu kommen. Dazu begleitete es 386 Personen während deren zweijähriger Notfallsanitätsausbildung.

Zu Beginn ihrer Ausbildung beantworteten die Studienteilnehmenden Fragen zu früheren psychischen Störungen, zu traumatischen Situationen und zu ihrem Umgang damit. Anschliessend wurden sie alle vier Monate nach belastenden Ereignissen und ihrer Reaktion darauf befragt. «So konnte festgestellt werden, wer im Laufe der zwei Jahre Symptome einer Posttraumatischen Belastungsstörung oder Depression entwickelte», schreibt die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs) in einer Zusammenfassung der Studie. Zu deren Ende qualifizierten die Teilnehmenden ihr Wohlbefinden. Dabei wurden sie auch nach Anzeichen für ein Burnout befragt, nach der Anzahl Tage, an denen sie nicht ihrer Arbeit nachgehen konnten, nach ihrer Schlaf- und Lebensqualität.

Wer grübelt, ist anfällig
Praktisch alle Personen wurden während ihrer Ausbildung mindestens mit einer sehr stark belastenden Situation konfrontiert. Die DGPs berichtet weiter, dass in der Folge 32 Befragte oder 8,6 Prozent eine Posttraumatische Belastungsstörung und 41 Befragte oder 10,6 Prozent eine Depression entwickelten. Das Forscherteam stiess dabei auf eine Reihe dafür relevanter Faktoren. Die DGPs betont vor allem diesen: «Personen, die häufig über belastende Situationen grübelten, waren besonders anfällig. Dabei kam es nicht auf die Anzahl der traumatischen Ereignisse vor und während der Ausbildung an. Für die Vorhersage von Depressionen war der Grad an Selbstvertrauen in die eigene Fähigkeit, mit Belastungen fertig zu werden, also die Resilienz einer Person, besonders bedeutsam.»

Andere Denkmuster trainieren
Daraus ergibt sich die Frage, ob gefährdete Personen bereits während der Ausbildung mit gezielten Trainingsprogrammen ihre Denkmuster falls nötig ändern, ihre Resilienz stärken und somit Risiken vorbeugen können. Anke Ehlers und ihr Forschungsteam werden diese Frage in einem nächsten Schritt beleuchten.

Die Verantwortlichen von CareLink ihrerseits sind sich bewusst, dass Resilienz auch in der Betreuung Betroffener wichtig ist. Auf diesen Aspekt wird bereits in der Auswahl und in der Ausbildung der freiwilligen Caregivers grosses Gewicht gelegt. Zudem nimmt CareLink nach jedem Einsatz Kontakt mit den Freiwilligen auf, die involviert waren. Barbara Fehlbaum, bei CareLink verantwortlich für die psychologische Fachunterstützung, ruft jede einzelne Person an oder trifft sie zu einem Gespräch. «Eine allgemeine Besprechung kurz nach Einsatzende könnte die individuelle psychische Verfassung eines Caregivers nur bedingt auffangen», erklärt sie. «Darum setzen wir bei CareLink auf Einzelgespräche. Sie sind weitaus wirksamer.»

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs)

Notfallpsychologie im Krisenstab

CareLink unterstützt die Fortbildung in Notfallpsychologie
Der Verein notfallpsychologie.ch und der Schweizerische Berufsverband für angewandte Psychologie (SBAP) bieten regelmässig Kurse in Notfallpsychologie an. Nebst fundierten psychologischen Interventionstechniken lernen die Teilnehmenden auch, die Betreuung Betroffener zusammen mit Blaulichtorganisationen strukturiert zu führen. CareLink steuert dazu praktisches Know-how bei.

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Zusammen mit Rettungsdiensten gibt CareLink in den Notfallpsychologie-Kursen Einsatzerfahrungen weiter. Mit praxisnahen Fallstudien und Stabsübungen lernen die Teilnehmenden die Grundsätze der Stabsarbeit, die strukturierte Zusammenarbeit mit anderen Einsatzkräften sowie die «Do’s and Dont’s» der gemeinsamen Ereignisbewältigung kennen. Dank der erworbenen Fähigkeiten können die Teilnehmenden darauf in Notfall- und Krisenstäben von Kantonen, Gemeinden, Schulen und weiteren Institutionen die Anliegen betroffener Menschen vertreten und den Betreuungseinsatz strukturiert führen.

In den Kursen des Vereins notfallpsychologie.ch treten, zusätzlich zu Rettungsdiensten und CareLink, auch Ausbilder des Bundesamts für Bevölkerungsschutz (BABS) auf. Hans Gonseth, Dozent beim BABS, ist überzeugt, «dass das Thema Care dank professioneller Führung als wichtiges Element der Ereignisbewältigung wahrgenommen wird».

Die Lehrgänge in Notfallpsychologie richten sich nach den Vorgaben des Nationalen Netzwerks für Psychologische Nothilfe (NNPN). Sie dauern 15 Tage und werden ergänzt durch Supervision und Praxiseinsätze. Nach Erfüllung aller Kriterien erhalten die Absolventinnen und Absolventen das Zertifikat in Notfallpsychologie.

Notfallseelsorge: Vernetzung als Erfolgsfaktor

Interview mit Paul Bühler, Präsident Notfallseelsorge Schweiz
Paul Bühler hat die Arbeitsgemeinschaft Notfallseelsorge Schweiz (AG NFS CH) von Anfang an mitgeprägt. Ende 2017 wird er als Präsident zurücktreten. Die Vernetzung zwischen verschiedenen Kirchen und Religionen, aber auch mit Betreuungs-, Einsatz- und Rettungskräften ist für ihn essenziell. Wo steht die AG NFS CH heute? Welches sind ihre nächsten Ziele?

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Herr Bühler, vor rund 15 Jahren haben Sie die Arbeitsgemeinschaft Notfallseelsorge Schweiz mitgegründet. Wie kam es dazu?
Paul Bühler: Es ist eine Geschichte der Vernetzung. Schon in meiner Zeit als Armeeseelsorger für die Rettungstruppe Anfang der neunziger Jahre haben wir uns mit dem Thema Notfallseelsorge auseinander gesetzt. Ich erfuhr damals, dass es in Deutschland und Österreich da und dort bereits Notfallseelsorge-Teams gab. Mir ging es vorerst darum, die Truppe auf Katastrophenhilfe-Einsätze vorzubereiten. Wir konzentrierten uns in diesen Ausbildungen in erster Linie darauf, die Armeeangehörigen auf der menschlichen Ebene vorzubereiten. Wir besprachen Fragen wie: Welche «Katastrophen» habe ich persönlich schon erlebt? Wie reagieren andere auf ein belastendes Erlebnis? Wie kann ich schwierige Ereignisse verarbeiten? Solche Präventivmassnahmen waren zu jenem Zeitpunkt neu.

Das Jahr 2000 änderte vieles: Im Oktober riss ein Erdrutsch in Gondo 13 Menschen in den Tod und zerstörte einen Drittel des Walliser Grenzdorfs. Da zeigte sich, dass die Notfallseelsorge zwischen den Kantonen koordiniert werden musste. 33 Seelsorgende und Interessierte trafen sich noch im Herbst 2000 zum Gedankenaustausch. Sie stammten aus den zehn Kantonen Aargau, Basel-Stadt, Basel-Land, Bern, Freiburg, Genf, Luzern, St. Gallen, Solothurn und Zürich. Dazu stiessen anschliessend Fachleute aus kantonalen Führungsgremien sowie Armee- und Zivilschutzangehörige, die sich untereinander und über die Kantonsgrenzen hinweg kannten. Am 1. Mai 2002 gründeten wir dann die ökumenisch ausgerichtete Arbeitsgemeinschaft Notfallseelsorge Schweiz.

Damit gaben sich zumindest diese zehn Kantone eine Organisation für Notfallseelsorge. Welche Ziele verfolgte die Arbeitsgemeinschaft in ihren Anfängen?
Paul Bühler: Es ging uns in erster Linie darum, eine Ansprechpartnerin für Staat und Kirche zu sein. Die verschiedenen, kantonal organisierten Teams sollten nach schweren Ereignissen mit Notfallseelsorgerinnen und -seelsorgern zusammenarbeiten. Dabei stellten sie allerdings fest, dass die Ausbildungsniveaus sehr unterschiedlich waren. Parallel dazu war beim Koordinierten Sanitätsdienst des Bundes das Nationale Netzwerk Psychologische Nothilfe, kurz NNPN, am Entstehen. Mit der Arbeitsgemeinschaft Notfallseelsorge Schweiz, kurz AG NFS CH, bekam das NNPN eine kirchlich und religiös orientierte Ansprechpartnerin auf nationaler Ebene. Das NNPN vereint seither Notfallseelsorgende, Notfallpsychologen und Fachpersonen für psychosoziale Nothilfe. Es übernahm auch die Aufgabe, einheitliche Standards für Ausbildung und Einsatz auszuarbeiten.

Notfallseelsorge, Notfallpsychologie, psychosoziale Nothilfe: Mehrere Begriffe für das Gleiche oder unterschiedlichen Aufgaben?
Paul Bühler: Ob Notfallseelsorge, Krisenintervention, psychosoziale Nothilfe, – je nach Land und je nach Kanton tragen sie unterschiedliche Namen. In der Schweiz heissen diese Teams in den meisten Fällen Careteams – ein neutraler Begriff. In Deutschland hört man auch den Begriff KIT, die Abkürzung für Kriseninterventionsteam. Doch alle haben das gleiche Ziel: Betroffene Menschen nach einem tragischen Ereignis zu betreuen und so zu stabilisieren.

In der zweiten Phase können natürlich die berufsspezifischen Eigenheiten ins Spiel kommen. Für die Notfallseelsorge heisst das, je nach Bedürfnissen der Betroffenen: Abschiedsgebete bei Verstorbenen, spirituelle Begleitung, Rituale und allenfalls das Beiziehen entsprechender Religionsvertreter. Prinzipiell betreut die Notfallseelsorge alle von einem schwierigen Ereignis Betroffenen, unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit.

In den meisten Kantonen setzen sich die Careteams aus Notfallseelsorgern, Notfallpsychologen und Caregivers zusammen. In vereinzelten Kantonen bestehen die Teams ausschliesslich aus Notfallseelsorgern. Woher dieser Unterschied?
Paul Bühler: Die Unterschiede sind eher historisch als fachlich gewachsen. Wir von der Notfallseelsorge haben vielleicht eine grössere Zeitflexibilität als andere Berufsgattungen.

Bei den Einsätzen geht es zuerst darum, die Bedürfnisse der Betroffenen auszumachen und bei Bedarf andere Fachleute beizuziehen. Sind Notfallpsychologen bereits vor Ort, können ihnen Betroffene direkt zugewiesen werden. Andernfalls bieten Teams, die ausschliesslich aus Notfallseelsorgenden bestehen, bei Bedarf Notfallpsychologen auf. Die Triage, die Betreuung der Betroffenen und ihre Stabilisierung sind die Hauptaufgaben der kantonalen Careteams, die zusammen mit den Blaulichtorganisationen direkt am Ort des Geschehens arbeiten.

Rückblickend auf die vergangenen 15 Jahre: Was war für Sie das Wichtigste?
Paul Bühler: Eindeutig die Integration der NFS in die kantonalen Gremien. Heute arbeiten die Careteams sehr effizient und effektiv mit den Blaulichtorganisationen zusammen. Die Careteams nehmen den öffentlichen Auftrag der Betreuung wahr. Diese enge Zusammenarbeit ist essenziell und das wichtigste Ergebnis der Arbeit, die wir in den vergangenen 15 Jahren geleistet haben. Zudem freut es mich, dass unterschiedliche Fachleute im NNPN vertreten sind und gemeinsam auf die Qualität der Betreuung der Betroffenen achten.

Und welches sind die Herausforderungen in den nächsten Jahren?
Paul Bühler: Weiterhin die Vernetzung, die in unserer föderalistischen Schweiz eine besondere Herausforderung darstellt. Jeder Kanton organisiert sich ja aus geografischen, rechtlichen und administrativen Gründen selber.

In der Krise Köpfe zu kennen, ist wichtig, sehr wichtig sogar. Und dies geht nur, wenn die verschiedenen Exponenten sich treffen, sich austauschen, sich neuen Gegebenheiten anpassen und am gleichen Strick ziehen. Bei einem Grossereignis müssen diese Organisationen jedoch koordiniert und nach der gleichen Philosophie arbeiten. Dies ist nur möglich mit einheitlichen Standards wie denjenigen des NNPN.
Innerhalb der AG NFS CH müssen wir unsere Statuten den veränderten Verhältnissen anpassen. Zur Entlastung des Vorstandes wird ab 1. Januar 2017 Dr. theol. Beat Weber die Stelle eines Geschäftsführers einnehmen.

Vernetzung: die Herausforderung auf allen Ebenen
CareLink ist wie die kantonalen Careteams als Einsatz- und Ausbildungsorganisation NNPN-zertifiziert. Im Unterschied zu den kantonalen Careteams agiert CareLink in der Regel im Auftrag der Privatwirtschaft – es sei denn, die Organisation werde von einem Kanton beigezogen. Die kantonalen Careteams werden durch die Blaulichtorganisationen aufgeboten und betreuen Betroffene während der ersten Stunden vor Ort. Anschliessend können Unternehmen und Institutionen, die mit CareLink eine Leistungsvereinbarung abgeschlossen haben, ihre Fürsorgepflicht gegenüber Mitarbeitenden, Kunden und deren Angehörigen auf gleich hohem, professionellem Niveau wahrnehmen. Mit CareLink sind sie in der Lage, Betroffene nach dem Ereignis emotional, psychologisch und praktisch zu betreuen. CareLink ist in doppeltem Sinn vernetzt: Die Organisation integriert sich in die Strukturen und Krisenstäbe ihrer Kunden, und sie ist es gewohnt, mit Blaulichtorganisationen, Behörden und kantonalen Careteams zusammenzuarbeiten. Krisenstäbe und Human-Resources-Abteilungen von Unternehmen können auch auf CareLink zurückgreifen, um ihr Carekonzept auszuarbeiten und das Bewältigen von Notfällen und Krisen zu üben.

Präventionstrainings beugen Raubüberfällen vor

Frédéric Etter: «Angst in Handlung umsetzen – das kann der Mensch trainieren».
«Räuber lieben Tankstellen», titelte der Tages-Anzeiger kürzlich auf der Frontseite: 2015 seien allein im Kanton Zürich 16 Tankstellenshops überfallen worden. Derart gefährdete Personen können Raubüberfällen vorbeugen, indem sie das richtige Verhalten trainieren. CareLink hat mit dem ehemaligen Polizisten Frédéric Etter gesprochen. Er hat sich auf solche Trainings spezialisiert.

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Herr Etter, angenommen, ich arbeite in einem Tankstellenshop, der bis in alle Nacht offen ist: Muss ich stets auf der Lauer sein?
Frédéric Etter: Egal wo Sie arbeiten oder wo Sie sich bewegen – Sie sollten grundsätzlich immer wachsam sein.

Muss ich immer gleich aufmerksam sein?
Frédéric Etter: Nein, das müssen Sie nicht. Ein Beispiel: Wenn Sie sich morgens in der Garage ins Auto setzen, sind Sie entspannt. Danach fahren Sie bewusst, aber ruhig durchs Quartier. Für das Einmünden in die belebte Hauptstrasse steigern Sie intuitiv Ihre Aufmerksamkeit, denn Sie wissen um die möglichen Gefahren. Auf der dicht befahrenen Autobahn dann werden Sie noch aufmerksamer, Sie haben die Gefahren um sich herum erkannt. Auch andere Situationen stufen Sie intuitiv nach diesem Muster ein, und entsprechend stellen Sie sich mental darauf ein.

Hat jeder Mensch Intuition?
Frédéric Etter: Ja, die Menschen sind von Natur aus intuitiv. Häufig aber trauen sie ihrer Intuition nicht. Dafür können sie trainieren, wie sie damit umgehen. Sie können lernen, ihre Aufmerksamkeit zu dosieren und sich so zu verhalten, dass es nicht zu einem Raubüberfall kommt.

Kann ich also mit meinem eigenen Verhalten einen Überfall verhindern?
Frédéric Etter: Um das Beispiel Tankstellenshop nochmals aufzugreifen: Sie grüssen jede Person, die den Shop betritt, und senden damit schon einmal das Signal aus „Ich habe Sie gesehen!“. Auch mit Ihrem aufmerksamen Beobachten beugen Sie vor, denn der mögliche Täter realisiert, dass es für sein Vorhaben schwierig werden könnte. Kurz: Mit dem Verhalten, das Sie bewusst an den Tag legen, wirken Sie präventiv. Machen Sie hingegen einen unsicheren Eindruck, so lassen Sie den potenziellen Angreifer spüren, dass er leichtes Spiel haben dürfte. 

Und wenn mich trotz Selbstsicherheit die Angst packt?
Frédéric Etter: Angst schützt uns. Hätten wir keine Angstgefühle, würden wir untergehen. Die Angst ist ein hervorragendes Alarmsystem. Wie ich mit der Angst bewusst und richtig umgehe und wie ich sie in Handlung umsetze, damit sie nicht zum schlechten Ratgeber wird, kann ich trainieren. Das Ziel ist es, die Kontrolle über die Situation zu behalten.

Wie funktioniert dieses Training?

Frédéric Etter: Wenn sich Ihnen ein möglicher Täter nähert, sind die ersten zwei bis fünf Sekunden entscheidend. Da haben Sie keine Zeit mehr, um zu überlegen, was nun zu tun sei. Diesen Ablauf müssen Sie vorher verinnerlicht haben. Er muss in Ihrem Stammhirn abgespeichert und dort sofort abrufbar sein. Darum macht die so genannte Drill-Phase etwa zwei Drittel unserer Ausbildung aus: Die Teilnehmenden setzen sich gespielten, aber realistischen Überfallsituationen aus und lassen sich bis zu 30 Mal drillen, wie sie sich zu bewegen, sich zu schützen und eine Kommunikation mit dem potenziellen Täter in Gang zu setzen haben. Wenn Sie im Verkauf oder am Schalter einer Bank arbeiten, befähigt Sie dieser Drill, unter Stress vorbeugend zu handeln.

Das vollständige Interview mit Frédéric Etter finden Sie im CareLink-Jahresbericht 2015, Seiten 7-9. Dort schildert er auch, wie ein potenzieller Täter in der Regel auf ein im Voraus trainiertes Verhalten des Verkaufspersonals reagiert. Und er betont, dass die Prävention eines Raubüberfalls nicht mit Verteidigung zu verwechseln ist.

Lesen Sie den CareLink-Jahresbericht 2015 mit dem Schwerpunkt-Thema Notfallübungen online oder bestellen Sie Ihr persönliches Exemplar bei info@carelink.ch.

Erste-Hilfe-Wissen auffrischen

CareLink bietet Nothelferkurse für Freiwillige und Kunden
Für viele liegen Nothelferkurs und Fahrprüfung schon ein Weilchen zurück. Jetzt können Mitarbeitende von Kunden und Freiwillige das Erste-Hilfe-Wissen mit CareLink auffrischen. Sie trainieren in Intensiv-Tageskursen – damit sie richtig agieren, wenn der Büronachbar über stechende Schmerzen in der Herzgegend klagt oder wenn bei einem CareLink-Einsatz jemand ohnmächtig wird.

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«Care heisst auch Prävention», sagt Marco Schmäh. Als Leiter Prozess- und Qualitätsmanagement bei CareLink hat er den neuen Aus- und Weiterbildungskurs konzipiert. In der Freiwilligen Feuerwehr seines Wohnorts verantwortet er die Sanität, und für ein grösseres Schweizer Unternehmen hat er vor seinem CareLink-Engagement die Betriebssanität aufgebaut.

Marco Schmäh ist als Instruktor auf dem Gebiet der Lebensrettung oder des Basic Life Support (BLS) und als Instruktor für die Handhabung des automatischen externen Defibrillators (AED) zertifiziert. Im CareLink-Kurs räumt er der praktischen Schulung viel Zeit ein, ohne die Theorie zu vernachlässigen. Das attestieren ihm die ersten Freiwilligen, die er trainiert hat. Sie haben zusätzlich Sicherheit gewonnen, denn nicht immer ist bei einem Einsatz, den sie leisten, auch die Sanität vor Ort.

Nur Wiederholungen halten fit. Das ist auch den CareLink-Kunden bewusst, die ihre Mitarbeitenden in Erster Hilfe ausbilden lassen. Jeden und jede kann es treffen, unmittelbar Nothilfe leisten zu müssen und allenfalls ein Leben zu retten, auch am Arbeitsplatz. Die Kunden bekommen somit alles aus «CareLink-Hand»: Sie können zum einen mit ihrem Krisenstab den Ernstfall üben und zum andern ihre Mitarbeitenden in Erster Hilfe trainieren.

Massgeschneiderte Übung für die Betriebssanität

CareLink bietet neu auch Übungen für Betriebssanitätsteams an. «Ein bestens ausgerüstetes Sanitätszimmer nützt wenig, wenn sich kaum jemand darin auskennt», so Marco Schmäh. CareLink organisiert die Simulation von Ernstfällen mit Figuranten, die künstliche Verletzungsmuster tragen. Mit dem Auslösen von Echtzeit-Alarmen testet Marco Schmäh das Ausrücken der Betriebssanität, und als dritte Dienstleistung überprüft er deren betriebliche Infrastruktur, um Verbesserungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

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«Die Betreuung wird einfacher, aber nicht überflüssig.»

Wenn sich ein Raubüberfall trotz Präventionstraining nicht vermeiden lässt
Der Schock nach einem Raubüberfall kann tief sitzen. Die Notfallpsychologie hilft, ihn zu überwinden. Der Weg zurück in die Normalität fällt jedoch leichter, wenn die überfallene Person früher ein Präventionstraining absolviert hat. CareLink-Psychologin Barbara Fehlbaum erklärt.

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Auf ein ausserordentliches Ereignis kann sich der Mensch vorbereiten. Der Feuerwehrmann zum Beispiel trainiert, wie er sich verhalten muss, um Leben zu retten und Brände zu bekämpfen, ohne sich selbst zu gefährden. Und so kann sich ein Verkäufer in einem Tankstellenshop oder eine Angestellte am Bankschalter im Voraus mit der Situation eines Raubüberfalls befassen. Solche Präventionstrainings geben Mittel in die Hand, um sich zu schützen und die eigene psychische Widerstandskraft, die Resilienz, zu stärken.

Resilienz hat mit Selbstführung zu tun, mit dem Bewusstsein um die Wirksamkeit des eigenen Handelns. Nennen wir es realistischen Optimismus: Ja, es kann mir etwas zustossen, aber ich verfüge über die Mittel, um Schlimmeres zu verhindern, und ich bin imstande, den Raubüberfall zu überstehen und darüber hinwegzukommen. Präventionstrainings geben die Gewissheit: Ich bin nicht hilflos, ich bin fähig, mein Schicksal mindestens so weit zu beeinflussen, dass ich nach dem Überfall nicht in der Opferrolle verharre. Werde ich aber völlig überrascht und weiss nicht, wie ich reagieren soll, fängt das Hirn an zu drehen und dreht und dreht, findet jedoch keine Antwort, weil es zuvor keine entwickelt und abgespeichert hat. Im Extremfall schaltet es das geordnete Denken ab.

Die positive Grundhaltung hilft, einen Raubüberfall im Rückblick einzuordnen. Als betroffene, aber trainierte Person kann ich dessen Ablauf rekapitulieren, ihn in mein Leben integrieren und schneller in den Alltag zurückfinden. Ich kann verhindern, dass der Täter oder die Täterin Macht über mein zukünftiges Leben hat. Deshalb wird auch die notfallpsychologische Betreuung, wenn auch nicht überflüssig, so doch einfacher. Die Betreuung ermöglicht nicht zuletzt auch Anerkennung: Ja, da ist ein grundsätzlich gesunder Mensch kräftig durchgeschüttelt worden. Er ist Opfer einer Straftat geworden, aber er wird sich, notfallpsychologisch unterstützt, von dem schockierenden Erlebnis erholen. Er kann mit dem Erlebten besser umgehen.

Der Artikel von Barbara Fehlbaum ist in ausführlicher Version im CareLink-Jahresberich online (Seiten 10-11) zu lesen oder bestellen Sie Ihr persönliches Exemplar bei info@carelink.ch.

Ida Tanner neu im Stiftungsrat

CareLink vergrössert das strategische Gremium

Seit dem 8. April 2016 verstärkt Ida Tanner den Stiftungsrat von CareLink. Der Rat besteht neu aus vier Mitgliedern: Zusammen mit Präsident Roland Frey bestimmen Roger Bula, Reto Häuselmann und Ida Tanner die strategischen Geschicke von CareLink.

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Als Leiterin Group Human Resources bei der AMAG Gruppe begleitet und entwickelt Ida Tanner Menschen in ihrer beruflichen Laufbahn. Zusammen mit ihrem Team betreut sie 5500 Führungskräfte und Mitarbeitende in der ganzen Schweiz. «Menschen auch in Notsituationen zu unterstützen, entspricht meinem Wertebild sehr und motiviert mich, zusätzlich zu meinem beruflichen Engagement für die AMAG Gruppe die langfristige Ausrichtung von CareLink konstruktiv mitzugestalten», begründet Ida Tanner ihr künftiges Wirken im Stiftungsrat.

Mit der Berufung von Ida Tanner stärkt der CareLink-Stiftungsrat seine Kompetenzen im Bereich Human Resources. «Die Personalverantwortlichen von Unternehmen sind für uns in der Regel die primären Ansprechpartner», fügt Stiftungsratspräsident Roland Frey an. «Je tiefer wir in ihre Verantwortungsbereiche hineinsehen, aber auch ihre Probleme und Herausforderungen verstehen, umso wirkungsvoller kann die Verbindung zwischen ihnen und CareLink funktionieren.»

Der Stiftungsrat und das Team von CareLink heissen Ida Tanner herzlich willkommen.

Movis und CareLink sorgen für durchgängige Betreuung

Gemeinsame Kunden profitieren von nahtloser Dienstleistung

Unternehmen haben es jetzt in der Hand, dass ihre Mitarbeitenden sowohl im Alltag als auch in aussergewöhnlichen Situationen bestens betreut werden: Die beiden Organisationen Movis und CareLink arbeiten zusammen. Movis berät Mitarbeitende in persönlichen, betrieblichen, gesundheitlichen und finanziellen Fragen und ist somit auf Prävention spezialisiert. CareLink seinerseits konzentriert sich auf die Intervention nach einem Ereignis. Ist ein Unternehmen Kunde beider Organisationen, so hat es auch für seine Business Continuity optimal gesorgt.

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Jedes Unternehmen weiss es: Je besser sich die Mitarbeitenden fühlen, umso motivierter und leistungsfreudiger sind sie. Doch Wohlbefinden und Motivation kommen nicht von ungefähr: Arbeitsklima, Aufgaben, Führung, Entlohnung und auch das private Umfeld müssen stimmen. Sorgen am Arbeitsplatz oder im Privatleben können die Freude der Mitarbeitenden trüben. Damit sie ihre Probleme besprechen und lösen können, bieten viele Unternehmen Beratung durch einen Sozialdienst an. Movis übernimmt diese Aufgabe für Unternehmen, die keine eigene Mitarbeitendenberatung betreiben. Das ist Prävention, Tag für Tag. Die Beratung  hilft, sich nicht in Schwierigkeiten hineinzusteigern und einen Ausweg zu finden.

Prävention allein genügt nicht
Doch alle noch so professionelle Prävention vermag nie jede Eventualität auszuschliessen. Eine Person in Schwierigkeiten kann ein Unglück auslösen, das andere in Mitleidenschaft zieht. Ein Suizid zum Beispiel macht die Kolleginnen und Kollegen am Arbeitsplatz zu Betroffenen. In solchen Situationen ist Krisenintervention nötig – die Spezialität von CareLink. Notfallpsychologen von CareLink nehmen ihre Arbeit unmittelbar nach dem Ereignis auf. Sie setzen alles daran, dass die betroffenen Personen das Erlebnis rasch und gründlich verarbeiten und in ihre Lebensgeschichte einordnen können, ohne posttraumatische Belastungsstörungen zu entwickeln.

Krisenintervention auch für Teams

Die Kooperation zwischen Movis und CareLink erlaubt nun, Prävention im Alltag und Intervention in ausserordentlichen Situationen zu verbinden. «Unsere Berater sehen sich ab und zu Situationen gegenüber, für die sie den Einbezug eines Notfallpsychologen als notwendig erachten», sagt Martin Bircher, Geschäftsführer von Movis. «Ist unser Kunde gleichzeitig Kunde von CareLink, kann dies nun fliessend stattfinden.» Franz Bucher, Geschäftsleiter von CareLink, weist zudem über die notfallpsychologische Hilfe für Einzelpersonen hinaus: «CareLink hat auch die Kapazitäten und das Know-how, um für eine intensive, kurze Zeit viele Fachpersonen vor Ort zu senden. So kann CareLink gleichzeitige notfallpsychologische Hilfe für ganze Teams von Mitarbeitenden bieten. CareLink unterstützt je nach Wunsch auch den Bereich Human Resources oder den Krisenstab eines Unternehmens in der Betreuung von Betroffenen.»

Das umfassende Paket

Kunden beider Unternehmen verfügen somit über ein umfassendes Paket, um die Mitarbeitenden in jeder Situation zu beraten und zu unterstützen und um die Business Continuity zu wahren.

Benötigt eine Person nach einer Krisenintervention durch CareLink weitere Hilfe, so kann sie von der Mitarbeitendenberatung des betreffenden Unternehmens – oder eben von Movis – weiter betreut werden. Movis und CareLink haben für ihre Zusammenarbeit die Schnittstellen genau geregelt und tauschen sich regelmässig aus: So können die Kunden der beiden Unternehmen sicher sein, stets die Kompetenz zur Verfügung zu haben, welche die Situation verlangt.

So sind die Zusammenarbeit und die Zuständigkeiten von Movis und CareLink geregelt:

  • Alltag: Prävention durch Beratung der einzelnen Mitarbeitenden (Movis). Prävention durch Ausbildung und Übungen mit Krisenstäben und Human-Resources-Verantwortlichen (CareLink).
  • Ausserordentliches Ereignis/Krise: Betreuung von Betroffenen, Unterstützung des Bereichs Human Resources oder des Krisenstabs, um Betroffene zu betreuen (CareLink).
  • Zurück zum Alltag: Bei Bedarf psychologische Weiterbetreuung im Alltag (Movis).

15 Jahre CareLink = 15 Prozent

Preisnachlass auf Übungen sowie auf Aus- und Weiterbildungskurse

Die Stiftung CareLink feiert ihren 15. Geburtstag. Das Vertrauen und die Treue unserer Kunden haben wesentlich dazu beigetragen, dass wir uns voller Elan und engagiert ständig weiterentwickelt haben. Als Dankeschön – und um ein bisschen mit unseren Kunden zu feiern – offerieren wir ihnen einen Preisnachlass von 15 Prozent auf Übungen sowie auf Aus- und Weiterbildungskurse.

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Die Geste zum 15-Jahr-Jubiläum kommt nicht von ungefähr: Mit CareLink haben unsere Kunden einen professionellen Partner an ihrer Seite, der im Krisenfall die Betroffenen betreut. Doch eine Krise bringt sehr viele Aufgaben mit sich, die gleichzeitig bewältigt werden müssen: Business Continuity, Medienarbeit, Kontakt mit Behörden, Lieferanten und Partnern, Mitarbeitenden und Betroffenen. Unternehmensinterne Krisenstäbe teilen sich bei grösseren Ereignissen in diese Aufgaben. Sie haben für den Notfall Krisenhandbücher erstellt und im Voraus Abläufe und Schnittstellen definiert. Das gibt Sicherheit – und reicht dennoch nicht aus. Um sich für die Bewältigung von Notfällen und Krisen fit zu machen und fit zu bleiben, bilden verantwortungsvolle Unternehmen ihre Krisenstabsmitglieder aus und trainieren sie in Übungen.

Die Realität simulieren
Je nach Wunsch der Kunden und gemeinsam mit ihnen konzipiert CareLink die Übungen und erstellt dazu Drehbücher, welche die Folgen eines fingierten Ereignisses realitätsnah simulieren: Behörden, Medien, Mitarbeitende, Angehörige und weitere Personen erkundigen sich, fordern Informationen, wollen wissen, wie die nächsten Stunden oder Tage verlaufen werden. Oft möchten sie auch erfahren, warum eine Krise entstanden ist und was ein Unternehmen unternimmt, um sie erfolgreich zu bestehen. Die Übungen trainieren die Zusammenarbeit im Krisenstab und mit externen Beteiligten wie etwa Blaulichtorganisationen, und sie zeigen, wie die Schnittstellen funktionieren. Ebenfalls je nach Wunsch der Kunden führt CareLink Regie, simuliert rein kommunikativ die Blaulichtorganisationen, die besorgten Angehörigen, die nach Informationen gierigen Medien.

Mit Übungen und ebenso mit gezielter Aus- und Weiterbildung können sich Krisenorganisationen von Unternehmen auf den Ernstfall vorbereiten und die einmal gewonnene Fitness beibehalten. CareLink leistet mit dem 15-prozentigen Jubiläumsrabatt einen direkten Beitrag zu dieser Fitness.

Auch CareLink übt

Im Ernstfall bietet CareLink für den betroffenen Kunden ein Einsatzteam auf. Abhängig von der Grösse des Ereignisses und von den Bedürfnissen des Unternehmens, besteht das Einsatzteam aus Notfallpsychologen, Caregivers, Teamleaders, Logistikern und Backoffice-Mitarbeitenden. CareLink kann dafür auf ein Team von schweizweit rund 350 Freiwilligen zurückgreifen. Und diese halten sich natürlich ebenfalls mit regelmässiger Weiterbildung und mit Übungen fit.

Wenn man es alleine nicht mehr schafft

CareLink hilft Helsana-Krankenversicherten weiter

Kann sein, dass jemand nach einem belastenden Erlebnis nicht mehr weiterweiss. Helsana hat dafür eigens eine Telefonnummer eingerichtet, welche die Versicherten wählen können. Die psychologische Soforthilfe kommt dann innert 24 Stunden von CareLink: Die in Notfallpsychologie ausgebildete Annette Höckel ist dafür verantwortlich, seit Helsana und CareLink 2007 die Zusammenarbeit gestartet haben. Sie berät Betroffene persönlich am Telefon oder vermittelt eine geeignete Fachperson, die anruft. In der März-Ausgabe des Helsana-Kundenmagazins Senso berichtet Annette Höckel von ihrer Arbeit.

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