Wenn sich professionelle Erfahrung und Theorie eng verbinden

CareLink entwickelt Aus- und Weiterbildung stetig weiter – auch für Kunden

Ohne Caregivers, Teamleaders, Notfallpsychologinnen und -psychologen gäbe es CareLink nicht. Sie sind es, die mit ihrem professionellen Know-how die Qualität der Betreuung Betroffener garantieren. Diese Kompetenz will aufgebaut und stetig gepflegt werden. Wie das geht? Regula Lanz erklärt.

Frau Lanz, Sie verantworten bei CareLink die Aus- und Weiterbildung der Freiwilligen. Sich zum Caregiver ausbilden zu lassen, sagen Sie, sei alles andere, als die Schulbank zu drücken. Wie sieht diese Ausbildung konkret aus?

Regula Lanz: Interessierte, die sich bei uns melden, durchlaufen zuerst ein Aufnahmeverfahren. Grundsätzlich müssen sie zwischen 20 und 58 Jahre alt sein und über Berufserfahrung verfügen. Ihre spezifische Motivation, bei CareLink mitzuarbeiten, müssen sie schriftlich begründen, und Petra Strickner, unsere Verantwortliche für das Freiwilligenteam, führt mit ihnen ein persönliches Gespräch. Auch eine psychologische Abklärung gehört zum Aufnahmeverfahren. Bei Eignung werden die Kandidatinnen und Kandidaten zu einer dreitägigen Grundausbildung eingeladen, in der sie sich mit psychosozialer Betreuung bei Grossereignissen vertraut machen.

Auf 2019 erweitern wir die Grundausbildung auf vier Tage, um künftige Caregivers noch vertiefter mit notfallpsychologischem Wissen auszustatten. Notfallpsychologinnen und -psychologen ihrerseits befassen sich am vierten Tag mit CareLink-internen Abläufen, damit sie sich darin sicher bewegen können. Nach der Grundausbildung entscheiden je die Kandidierenden und die Verantwortlichen von CareLink über die definitive Aufnahme ins Freiwilligenteam.

Nach der Grundausbildung ist auch stete Weiterbildung das Motto. Wie entdeckt ein Caregiver, in welche Richtung er sich weiterentwickeln will?

Regula Lanz: Auch in der Weiterbildung liegt der Schwerpunkt auf Care, also auf der psychosozialen Betreuung Betroffener und ihnen nahestehender Personen nach traumatischen Ereignissen. Die Themen der Basiskurse im Anschluss an die Grundausbildung sind Akutbetreuung, Betreuung von Kindern und Jugendlichen, Umgang mit Menschen aus anderen Kulturen/Religionen und Care im Kleinereignis. Danach können die Caregivers frei wählen, welche Schwerpunkte aus dem weiterführenden Angebot sie wählen möchten. Sie können sich etwa in den Umgang mit Tod und Trauer vertiefen, sich mit Scham und Schuld auseinandersetzen oder sich mit Krisensituationen an Schulen befassen.

Möglich, dass ein Caregiver auf Grund seiner persönlichen Neigung zu einer Funktion eher im Hintergrund tendiert. Gerade bei Grossereignissen werden Backoffice-Funktionen extrem wichtig: Daten müssen aufgenommen, Logistik muss organisiert, ein Callcenter eingerichtet werden. Dazu haben wir ebenfalls spezifische Kurse entwickelt.

Caregivers, die im Verlauf der Aus- und Weiterbildung Führungsqualitäten zeigen, können ein Assessment durchlaufen, um sich in spezifischen Kursen für die Tätigkeit als Teamleader zu qualifizieren.

Wie hält sich ein ausgebildeter Caregiver oder Teamleader fit, wenn er länger nicht zu einem Einsatz gerufen wird? Klar, er bildet sich kontinuierlich weiter. Doch Theorie allein kann es noch nicht sein.

Regula Lanz: Wir erwarten von allen unseren rund 350 Freiwilligen, dass sie sich kontinuierlich weiterbilden und dazu jedes Jahr mindestens an einem CareLink-Anlass teilnehmen. Das muss nicht zwingend ein Kurs sein. Wer als Caregiver oder als Figurant bzw. Figurantin an einer Übung teilnimmt, sammelt genauso Erkenntnisse und Erfahrung. Die Freiwilligentagung, die wir alle ein bis zwei Jahre durchführen, dient der Inspiration, dem Vermitteln von Hintergrundwissen und dem persönlichen Austausch. 2019 übrigens werden wir uns an der Freiwilligentagung mit Generationen und deren Besonderheiten und spezifischen Bedürfnissen befassen.

Kann es auch sein, dass ein Caregiver irgendwann zu alt ist für diese Aufgabe? Oder sind Alter und Lebenserfahrung geradewegs Vorteile für diese Tätigkeit?

Regula Lanz: Sowohl als auch. Wir schätzen unterschiedliche Qualitäten und legen daher Wert auf ein in jeder Hinsicht gut durchmischtes Freiwilligenteam. Doch da uns vor allem Unternehmen zu Hilfe rufen und wir meist berufstätige Menschen betreuen, haben wir die Obergrenze für Freiwillige auf 70 Jahre festgelegt.

Wechseln wir die Perspektive: Sie konzipieren ja immer häufiger auch Kurse und Workshops für Kunden, die ihre eigenen Mitarbeitenden ausbilden möchten.

Regula Lanz: Genau. Zunächst klären wir gemeinsam mit dem Kunden ab, an wen genau sich der Kurs richten soll. Manche Unternehmen haben ein internes Care-Team, das aus- und weitergebildet werden soll, andere wünschen sich etwa für die Betriebssanität oder den Bereich HR einen Einblick in die psychosoziale Betreuung. Die Alltagsrealität der Zielgruppe bestimmt das Aus- oder Weiterbildungsbedürfnis, und daraus leiten wir die Kursinhalte ab. Wir decken stets sowohl theoretische als auch praktische Aspekte ab und fördern den Erfahrungsaustausch. Vor allem simulieren wir mit den Teilnehmenden auch Betreuungssituationen und besprechen diese danach detailliert. Gerade diese professionell begleiteten praktischen Übungen werden sehr geschätzt.

Sie überprüfen das Aus- und Weiterbildungsangebot von CareLink laufend und entwickeln es weiter. Führen auch die Einsätze zu neuen Bildungsschwerpunkten?

Regula Lanz: Ja. Wir gleichen die Erfahrungen aus den Einsätzen und die Bedürfnisse unseres Einsatzmanagements mit unserem Kursangebot ab und generieren so neue Kursthemen. Seit kurzem bieten wir den Notfallpsychologinnen und -psychologen alle zwei bis drei Monate eine Supervision: Wir präsentieren einen konkreten Fall und arbeiten ihn gemeinsam auf. Auch daraus ergeben sich Ergänzungen für bestehende und Themen für neue Kurse. Zudem lassen wir frische Erkenntnisse aus der noch jungen Wissenschaft der Notfallpsychologie in die Aus- und Weiterbildung einfliessen. Eines allerdings bleibt immer gleich, und das betonen wir in allen Kursen: Die Betreuung Betroffener ist nur dann professionell, wenn Empathie und Selbstschutz in einem guten Gleichgewicht sind.

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