Gewalt stoppen, bevor sie ausbricht

Bedrohungsmanagement wirkt präventiv

Gewalt, die sich Bahn bricht, kann grosses Leid anrichten. Wer die Zeichen frühzeitig erkennt, kann Schlimmes verhindern. Zürich und Solothurn haben deshalb je ein kantonales Bedrohungsmanagement (KBM) eingerichtet. An der diesjährigen Freiwilligentagung haben sich die Psychologen, Caregivers und Teamleaders von CareLink intensiv damit befasst.

Eingreifen, bevor etwas passiert: Häufig kündigen Warnsignale eine mögliche Gewalttat an. Probleme in Partnerschaft oder Familie, Spannungen am Arbeitsplatz, Hass und Groll etwa gegen Mitglieder von Behörden und Institutionen können Auslöser sein. „Wer die Warnsignale erkennt, ist mitverantwortlich dafür, dass solche Taten verhindert werden“, schreibt der Kanton Zürich auf www.kbm.zh.ch.

Bedrohungsmanagement dient dazu, Gewaltrisiken einzuschätzen und möglichen Taten vorzubeugen. Angela Guldimann und Katrin Streich, die beiden Referentinnen an der CareLink-Fachtagung, sind von der Wirksamkeit von Bedrohungsmanagement überzeugt. Dr. phil. Angela Guldimann von der Klinik für Forensische Psychiatrie der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich arbeitet auch für das KBM des Kantons Zürich. Diplom-Psychologin Katrin Streich ist stellvertretende Leiterin des Instituts Psychologie und Bedrohungsmanagement IPBm in Darmstadt, Deutschland.

Die Schweiz ist Vorreiterin im Bedrohungsmanagement
Der Kanton Zürich hat den Präventionsgedanken 2012 im Polizeigesetz verankert. Die Regierung hat klare Ziele gesetzt:

  • Die Sensibilisierung der Bevölkerung, der Behörden und der Institutionen
  • Die Früherkennung von Eskalationspotenzial
  • Die Förderung der interdisziplinären Zusammenarbeit für ein Gefahrenmanagement
  • Die Prüfung datenschutzrechtlicher Fragestellungen

Der Kanton Solothurn hat ebenfalls eine Präventionsstelle gegründet, die beiden Kantone sind Vorreiter. Eine rechtliche Grundlage zu haben, um solche Präventivmassnahmen anzubieten und zu koordinieren, sei wesentlich, führte Katrin Streich an der Freiwilligentagung aus. In Deutschland fehlt eine solche Grundlage, was die Möglichkeiten koordinierter Handlungen massiv einschränkt.

Der Nutzen des Bedrohungsmanagements ist gross
Mit einem 24-Stunden-Pikettdienst bietet die Abteilung Gewaltschutz des Kantons Zürich die Möglichkeit, einerseits bedrohliche Situationen zu melden und andererseits Informationen aus verschiedenen Quellen zu koordinieren. Gerade die Koordination ist essenziell, da sonst an mehreren Stellen Meldungen eingehen können, diese aber nur schwerlich, wenn überhaupt, zum Gesamtbild gefügt werden können. Das Gesamtbild erst hilft, die Gefahr zu erkennen, sie einzuschätzen und sie schliesslich zu entschärfen.

Gefährder folgen einem Schema
Am Anfang einer potenziellen Gewaltspirale steht eine Situation, welche eine Person als Missstand empfindet. Sie fasst, da sie den Missstand als ausweglos empfindet, Gewalt ins Auge und kündigt ihre Tat auf ihre Weise an: Sie droht, sie verhält sich anders als sonst. Darauf beginnt sie, ihre Tat zu planen, und recherchiert dazu etwa im Internet. Dann bereitet sie die Tat vor, kauft zum Beispiel Material, und sie probt – um schliesslich zum Angriff zu schreiten.

Auf den «Hilfeschrei» gilt es zu reagieren
Das Bedrohungsmanagement zielt darauf, diesen Ablauf so früh wie möglich zu stoppen, idealerweise auf der Ebene «Missstand» oder «Gewalt als Option». Potenziell gefährdende Personen stossen, etwa indem sie drohen, eine Art Hilfeschrei aus. Spricht man sie an, ist eine Deeskalation bestenfalls möglich. Für eine gezielte Ansprache müssen allerdings zuvor sämtliche Informationen zum Gesamtbild verschmolzen sein. Unter dieser Bedingung kann selbst auf der Stufe «Angriff» die Gewaltspirale noch unterbrochen werden. Professionelles Bedrohungsmanagement kann einen Entscheid, zur Tat zu schreiten, erschweren oder gar hinfällig machen.

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