Teamleader üben Stabsarbeit auf dem Stoos

CareLink-Einsatzleiter Marco Schmäh erklärt im Interview, weshalb Teamleader mit Stabsarbeit und Führungsinstrumenten vertraut sein müssen.

Chaos – zu Beginn eines Krisenereignisses keine Seltenheit. Professionelle Stabsarbeit wirkt dagegen. Sie bringt Struktur und Ruhe ins Geschehen. Das gilt für Krisenstäbe und Notfallorganisationen genauso wie für Care-Organisationen. CareLink beübt deshalb seine Teamleader. 16 von ihnen trafen sich dazu Mitte März auf dem Stoos in der Innerschweiz.

Marco Schmäh, Teamleader sind erfahrene Freiwillige, die im Ernstfall besondere Führungsaufgaben wahrnehmen. Um sie in die Stabsarbeit einzuführen, haben Sie ein «Fitnessprogramm» erarbeitet.
Richtig! Im Ereignisfall sind unsere Teamleader Bindeglied zwischen betroffenen Unternehmen und der Einsatzleitung bei CareLink. Sie sind in der Lage, sich in die Strukturen eines Unternehmens einzufügen – im Ereignisfall geht es dabei um Krisen- oder Notfallstäbe. Jedes Unternehmen bewältigt Krisen anders. Für die Krisenstabsarbeit gibt es allerdings Regeln, die überall sehr ähnlich sind – sie stammen aus Blaulichtorganisationen, dem Militär und dem Bevölkerungsschutz.

Weshalb ist es so wichtig, dass Teamleader die Stabsarbeit kennen?
Während einer Krise müssen Unternehmen mit vorgegebenen Strukturen arbeiten. Erprobte Methoden erlauben, eine Krisenlage effizient zu bewältigen. Diese Methoden können erlernt werden. Die Ereignislage ist zu Beginn meist undurchsichtig. Ausgebildete Teamleader analysieren diese deshalb nach einer vorgegebenen Struktur. Sie lernen bei uns, in Varianten und Konzepten zu denken. Diese Instrumente helfen dann den Krisenstäben, nicht in blinden Aktivismus zu verfallen. Die Teamleader müssen diese Instrumente kennen und beherrschen.

Wäre das nicht Ihr Job? Teamleader werden doch im Einsatz von Ihnen geführt.
Ja, natürlich (lacht)! Als Einsatzleiter arbeiten auch wir genau nach diesen Prinzipien. Teamleader können jedoch als Care-Vertreter in Krisenstäben von Unternehmen Einsitz nehmen. Aufgrund der Lagebeurteilung des Krisenstabs erarbeiten Sie dann Care-Konzepte. Deshalb müssen sie die Methoden kennen. Krisenstäbe pflegen im Vergleich zum Alltag zudem einen ziemlich direktiven Arbeitsstil. Davon dürfen sich die Teamleader im Ernstfall nicht überraschen lassen. Und sie müssen die Instrumente des Führungszyklus nicht nur kennen, sondern auch anwenden können: Problemerfassung, Lagebeurteilung, Entschlussfassung, Planentwicklung und Auftragserteilung. Schlussendlich müssen Teamleader wissen, was von Ihnen bei einem Krisenstabsrapport erwartet wird. Das müssen sie lernen und üben. Das gilt für den Gesamtkrisenstab wie auch für seine einzelnen Bereiche – Care, also die Betreuung von Betroffenen, ist einer davon.

Eine echte Herausforderung! Denn die Krisenstäbe in Unternehmen sind ja unterschiedlich organisiert.
Genau! Umso wichtiger ist es einerseits, die Grundlagen der Stabsarbeit sehr gut zu kennen. Andererseits müssen sich die Teamleader an die Strukturen, die sie in einem Unternehmen vorfinden, anpassen können. Das ist keine leichte Aufgabe. Gerade bei Krisenstäben, die weniger strukturiert vorgehen, haben wir erfahren, dass es willkommen ist, wenn CareLink-Leute mit ihrer strukturierten Arbeitsweise etwas Ruhe einbringen.

Während einer Krise stehen alle unter Druck. Können Sie während einer Übung einen solchen Druck erzeugen?
Eine Übung ist und bleibt eine Simulation. Unsere Simulationen sind so realitätsnah wie möglich –auch wenn wir Stabsrahmenübungen für Kunden durchführen. Viele Kunden sagen nach einer Übung, sie hätten fast vergessen, dass es keine reale Situation war. So geht es auch unseren Teamleadern. In der zweitägigen Übung gibt es verschiedene Elemente, die sie an ihre physischen und psychischen Grenzen bringen. Das ist ein Thema der Ausbildung, und wir beobachten sie dabei.

Und wie haben Sie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer während der Übung erlebt?
Die Begeisterung, mit der sich die Teamleader auf diese Erfahrungen eingelassen haben, hat mich beeindruckt. Und ihre Ausdauer! Besonders spannend fand ich den Teambildungsprozess und die darauffolgenden Gespräche. Meine Meinung ist: Die Gruppe war nach den beiden Übungstagen nicht mehr dieselbe. Am Ende waren nicht mehr 16 Einzelpersonen dabei, sondern ein Team aus 16 Personen. Nur schon deswegen haben sich die zwei Tage für die Praxis gelohnt. Die Übung ist deshalb auch für Krisenstäbe in Unternehmen sehr interessant.

Die Krisenstabsübungen von CareLink für Unternehmen sind seit vielen Jahren bekannt. Wären ergänzend dazu nicht auch Ausbildungen in der eigentlichen Krisenstabsarbeit vonnöten?
Unbedingt! Wir empfehlen Unternehmen vor einer Übung einen Workshop durchzuführen – besonders, wenn die Krisenstäbe neu gebildet worden sind. Ein Workshop klärt die Struktur des Krisenstabs, die Aufgaben der Mitglieder, aber auch die Stabsarbeit im Allgemeinen. Für Mitarbeitende in Krisenstäben ist es ebenso wichtig wie für unsere Teamleader, dass sie die Instrumente der Stabsarbeit kennen und anwenden können. Idealerweise vermitteln wir das in einem ganztägigen Workshop, in dem wir diese Instrumente einführen und anschliessend gleich anhand einer Lagebeschreibung anwenden. Danach sind die Krisenstäbe richtig fit für eine Übung.

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