«Sorgekultur» wichtiger denn je

Wir leben in einer unsicheren Zeit mit vielen Veränderungen und sich überlappenden Krisen. Die Herausforderung, Sorge zu unseren Mitarbeitenden und uns selbst zu tragen, war in der diesjährigen Kundenfachtagung das Thema – mit eindeutigen Empfehlungen.

Eine neue App, die Gründung einer Fokusgruppe für Kunden und die Aufrechterhaltung des Momentums für die Bewältigung von Grossereignissen: mit diesen Massnahmen aus der Kundenbefragung läutete der Geschäftsleiter Walter Kälin seinen letzten offiziellen Carelink-Auftritt ein. Und er kann sehr stolz auf das Erreichte sein – er legt mit exzellenten Ergebnissen aus der Kundenbefragung eine hohe Messlatte für seine Nachfolgerin Carolin Wälz.

Den Auftakt machte Prof. Dr. Giovanni Maio, der sich dem Thema «Sorgekultur» äusserst differenziert und präzise näherte. Der Bruch bei ausserordentlichen Ereignissen sorge für eine tiefe Verletzlichkeit beim Menschen und teile das Leben fortan in ein «davor» und «danach». Die Hilfe und Sorge um den Betroffenen ist essenziell und besteht zuerst einmal aus der richtigen Haltung. «Die Anerkennung des anderen in dem, was er ist und braucht, ist unverwechselbar kostbar», führte Maio dazu aus.

Prof. Dr. Imke Knafla ging im Folgevortrag auf die Rolle von Unternehmen und insbesondere von Führungskräften ein. «Ja, es geht Sie etwas an», so Knafla, denn eine Studie der Uni Bern aus dem Jahr 2022 zeigt: 30% der Arbeitnehmenden fühlen sich ziemlich oder sehr erschöpft. Dies kostet der Schweizer Wirtschaft rund 6.5 Mrd. CHF pro Jahr. Der «Spillover»-Effekt zeigt ausserdem, dass private Krisen Einfluss auf die Arbeitsleistung haben, so dass sich die Führungskraft einbringen muss. Imke Knafla betonte die Wichtigkeit von Führungskräften und welche Rolle sie einnehmen müssen, um die psychische Gesundheit ihrer Teams zu erhalten.

Prof. em. Dr. Theo Wehner ging auf das Scheitern ein. Er spricht sich für eine Kultur des Scheiterns aus, die «alles erwartet und somit nie enttäuscht werden kann». Die innere Flexibilität, sich auf eine Beziehung zu einem in die Irre gehenden Sein einzulassen und dann situativ zu entscheiden, trägt sehr zum Wohlbefinden und letztendlich zum Gelingen bei. Wehner bringt dies entsprechend auf den Punkt: «Embrace the Unexpected».

Der Moderator der Tagung, Patrick Rohr, sprach anschliessend mit Kathrin Indermaur, Notfallpsychologin und Direktorin «People & Culture» bei Helvetas, über die Betreuung von Helvetas-Mitarbeitenden in den Krisenherden der Welt. Indermaur spricht sich dabei klar für eine Prävention mittels umfassender Vorbereitung und Schulungen, einer fachlichen Betreuung vor Ort sowie eine Vernetzung untereinander aus. Die anschliessende Paneldiskussion mit allen Referentinnen und Referenten über die Sorgekultur rundete die Fachbeiträge ab.

Die Kundenfachtagung 2023 schliesst mit einer Stabsübergabe ab: Der Stiftungsratspräsident Roland Frey verabschiedete den seit 2015 amtierenden und erfolgreichen Geschäftsführer Walter Kälin in die wohlverdiente Pension und begrüsste seine Nachfolgerin Carolin Wälz. Wälz, bereits seit Anfang Oktober bei Carelink, dankte für das Vertrauen und schloss die Tagung ihrerseits mit einer gross geäusserten Vorfreude auf alles Kommende ab.

 

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