Sonderflug Belair BHP1022
Ein Einsatzbericht von Beat Vogt
Eine CareLink-Equipe begleitete am 29. Dezember 2004 einen Repatriierungsflug aus dem thailändischen Phuket, den die Belair Airlines im Auftrag von Hotelplan, Kuoni und dem EDA durchgeführt hatte. Teamleiter Beat Vogt berichtet über diesen eindrücklichen Einsatz, bei dem 132 zum Teil verletzte und zumeist nur notdürftig bekleidete Feriengäste drei Tage nach der Flutkatastrophe in die Schweiz zurückgeflogen wurden.
"Es ist früher Morgen kurz vor 5.30 Uhr. In wenigen Minuten landen wir nach elfeinhalbstündigem Flug in Phuket. Unser Team – drei Notfallpsychologinnen, ein Chirurg, eine Krankenpflegerin, je ein Anästhesist und Anästhesiepfleger sowie ich als Teamleiter – trifft letzte Vorbereitungen für den Einsatz. Bald werden wir wissen, wie viele Tsunami-Betroffene uns erwarten, in welchem Zustand sie sind und ob wir im Flugzeug überhaupt Platz für alle haben.
Die Verletzten werden auf den Business-Class-Sitzen gelagert
Kurz nach Sonnenaufgang nehmen wir die ersten Verletzten an Bord. Laufend treffen weitere Patienten ein. Ihr Zustand führt uns drastisch vor Augen, mit welcher Wucht die Flutwelle gewütet haben muss. Da wir nur über einen Liegeplatz verfügen, lagern wir die schwerer Verletzten so gut wie möglich auf den Sitzen der Business Class. Während Ärzte und Pflegepersonal Infusionen stecken, Antibiotika, Schmerz- und Beruhigungsmittel spritzen, füllt sich die Maschine langsam mit leichter Verletzten und körperlich Unversehrten. Viele sind barfuss, nur mit T-Shirt, Shorts oder Spitalhemd bekleidet. Die Zahl derer, die Angehörige verloren oder selbst nur mit Glück überlebt haben und zusehen mussten, wie Freunde, Bekannte, Feriengäste und Einheimische in den Tod gerissen wurden, wird immer grösser.
Hervorragende Unterstützung durch die Belair-Crew
Auf dem Rückflug in die Schweiz hat die Versorgung der Verletzten Vorrang. Das Erfassen der Passagierdaten, das Verteilen von Merkblättern und Gespräche haben zweite Priorität. Infizierte Wunden müssen geöffnet, Verbände gewechselt und pflegerische Massnahmen getroffen werden. Erst danach werden die wichtigsten Daten über Flugfunk in die Einsatzzentrale übermittelt und die weitere Hilfe nach der Landung abgesprochen. Die vierzehnköpfige Belair-Crew arbeitet mit uns Hand in Hand und leistet während des ganzen Flugs für uns unschätzbare Hilfe.
In Zürich stehen Ärzte, Ambulanzen, Caregivers, Angehörige und viele weitere Helfer bereit, die uns ablösen. Nach 32 langen Stunden geht für uns ein eindrücklicher Einsatz mit dem abschliessenden Debriefing zu Ende."

