Posttraumatische Belastungsstörung

von dipl. Psychologin FH/SHAP Sara Meyer 

 
Die Posttraumatische Belastungsstörung hat einen klaren Auslöser. Es handelt sich dabei um ein belastendes Ereignis oder eine lebensbedrohliche Situation. Die Betroffenen erfahren dabei eine enorme Hilflosigkeit und eine Erschütterung des Selbst- und Weltverständnisses. Mit psychologischer Hilfe können diese traumatischen Erlebnisse verarbeitet werden.

Stellen Sie sich vor, Sie gehen wie jeden Morgen zur Arbeit. Womöglich fahren Sie mit dem Auto, gehen ein kurzes Stück zu Fuss oder benutzen die öffentlichen Verkehrsmittel. Und dann geschieht etwas Unerwartetes. Etwas Furchtbares. Eine Massenkollision, eine Zugsentgleisung, ein Schusswechsel – und Sie stehen mitten drin. Vielleicht sind Sie sogar verletzt. Würden Sie sich wundern, wenn Sie daraufhin Alpträume hätten, sich nicht mehr konzentrieren könnten oder ständig an diese Szene denken müssten? "Nein", wird wohl die Antwort der meisten Befragten lauten. Denn es ist völlig normal, dass man auf ein solch ungewöhnliches Ereignis stark reagiert. Wenn die Signale der Überforderung jedoch über Wochen und Monate anhalten, schränken Sie die Betroffenen in ihrem Lebensalltag ein. Man spricht dann von einer Posttraumatischen Belastungsstörung.

Reaktion auf ein belastendes Ereignis

Die Posttraumatische Belastungsstörung ist eine verzögerte Reaktion auf ein belastendes oder äusserst bedrohendes Ereignis. Ein wichtiges Erkennungszeichen dieser Störung sind die ständig wiederkehrenden Erinnerungen an die bedrohliche Situation. In der Fachsprache werden diese unkontrolliert auftretenden Gedanken und Erinnerungen "Flash Backs" genannt. Daneben bestehen oft auch Erinnerungslücken, Schlafstörungen, Schreckhaftigkeit, Konzentrationsstörungen und Alpträume. Viele Betroffene versuchen deshalb in der Folge Situationen zu vermeiden, die sie an das belastende Ereignis erinnern könnten. Das kann teilweise dazu führen, dass Menschen mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung sich nicht mehr mit Freunden verabreden, die Arbeit aufgeben müssen, alle ihre Interessen verlieren und teilnahmslos wirken. Werden diese Symptome nicht früh genug erkannt und behandelt, können sich daraus weiterführende psychische Krankheitsbilder entwickeln wie zum Beispiel Depressionen oder Suchterkrankungen.

Traumatische Erlebnisse verarbeiten

Die psychologische Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung umfasst in der Regel drei Stufen: Die Stabilisierung, die Traumabearbeitung und die Reintegration. Die Betroffenen werden durch das traumatische Ereignis aus der Bahn geworfen. Abhängig von seiner Persönlichkeit, seiner Erfahrungen und seinem Umfeld kann das Trauma einen Menschen enorm destabilisieren. In der Therapie wird die erste Phase daher der Stabilisierung gewidmet. Dazu gehört unter anderem Sicherheit zu gewinnen, Vertrauen zum Therapeuten aufzubauen und eine soziale Unterstützung zu organisieren. Erst wenn die Person gefestigt ist, kann das Trauma mittels psychologischer Techniken bearbeitet werden. Dabei geht es darum, die traumatischen Erlebnisse so zu verarbeiten, dass die Symptome wie Flash Backs und Vermeidungsverhalten wieder verschwinden. Die letzte Phase widmet sich der Reintegration, das heisst, der gezielten Vorbereitung auf den Wiedereinstieg in den normalen Lebensalltag. Die Betroffenen können ihre Arbeit wieder aufnehmen, ihren Hobbies nachgehen und Freunde treffen, ohne von ständigen Ängsten und quälenden Gedanken begleitet zu sein.

Autorin
Sara Meyer (*1974) ist diplomierte Psychologin FH/SBAP. Nach dem Studium der klinischen Psychologie hat sie sich in den Bereichen Notfallpsychologie und Mediation weiterentwickelt. Heute arbeitet Sara Meyer als Leiterin Unternehmenskommunikation und widmet sich daneben der Konfliktlösung in Wirtschaftsunternehmen sowie der medialen Verbreitung psychologischer Erkenntnisse. Sara Meyer ist Vorstandsmitglied im Schweizerischen Berufsverband für Angewandte Psychologie SBAP,  www.sbap.ch

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