Ein ungewöhnlicher Einsatz

Absturz eines Experimentalflugzeugs in Basel    
 
Der Einsatz in Basel war in verschiedener Hinsicht ungewöhnlich. Zum einen beschränkte er sich für uns vor allem auf Post-Emergency-Massnahmen. Zum anderen war das betroffene Unternehmen nicht Verursacher des Ereignisses, sondern – im wahrsten Sinne des Wortes – aus heiterem Himmel ebenfalls Opfer der Umstände.

Wenn rund neunzig Personen direkt von einem Ereignis betroffen werden, bedeutet das in der Regel einen Grosseinsatz bereits in der Akutphase. Im Falle des Experimentalflugzeugs, das in Basel abgestürtz war und drei Liegenschaften zumindest vorübergehend unbewohnbar gemacht hat, zeigte sich ein anderes Bild. Betroffen waren zwar beinahe hundert Menschen, vor allem ältere und gesundheitlich angeschlagene. Ihre Ängste galten jedoch nicht Angehörigen, die vermisst, verletzt oder gar getötet worden sind, wie es bei Grossereignissen leider der Normalfall ist. Sie sorgten sich vielmehr darum, wo sie in den kommenden Tagen übernachten könnten, ob eine Rückkehr in ihre Wohnungen überhaupt nochmals möglich sei und wer das alles bezahlen würde.

Aus heiterem Himmel

Ebenfalls ungewöhnlich war die Situation für die Finanzdirektion des Kantons Basel. Während das betroffene Unternehmen normalerweise im weitesten Sinne auch Verursacher des Ereignisses ist, hatte die Hausbesitzerin auf den Absturz keinerlei Einfluss. Dadurch stellen sich verschiedene neue Frage: Ist ein betroffenes Unternehmen in einer solchen Situation zumindest moralisch zu Betreuungsmassnahmen gegenüber den betroffenen Personen verpflichtet? Wer übernimmt die damit zusammenhängenden Kosten? Wie kulant soll sich ein Unternehmen in einem solchen Fall zeigen? Und daraus abgeleitet: Müssen künftig auch Unternehmen und Organisationen, die ähnlichen, lediglich „indirekten“ Risiken ausgesetzt sind, ein entsprechendes Krisen-Management aufbauen?

Mehr als sechshundert Einsatzstunden

Kommen wir nun zum eigentlichen Care-Einsatz, den wir im Zusammenhang mit diesem Ereignis geleistet haben. In Zahlen: Insgesamt 26 Teammitglieder – maximal 14 gleichzeitig – standen im Einsatz. Sie leisteten während 13 Tagen 618 Einsatzstunden und hatten mehr als 150 Kontakte zu betroffenen Personen. Unser Call Center nahm mehr als 250 Anrufe entgegen und tätigte mehr als 200 Rückrufe. Unsere wichtigsten Aufgaben bestanden in der Betreuung und Begleitung der Anwohnerinnen und Anwohner vor Ort, in Hotels, bei Bekannten und Verwandten sowie in der Zivilschutzanlage Bäumlihof, im Personendaten-Management sowie im Betrieb der Hotline. Erleichtert wurde unsere Aufgabe dadurch, dass die meisten Betroffenen ein tragfähiges soziales und familiäres Netzwerk hatten.

Das galt auch für die Angehörigen und Freunde des eigentlichen Absturzopfers. Wir haben gleich zu Beginn unseres Einsatzes mit den Kollegen des Piloten aus dem Verein für Experimentalflugzeuge Kontakt aufgenommen. Dabei hat sich schnell gezeigt, dass eine zusätzliche Betreuung durch unser Careteam nicht nötig war.

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