Debriefing
Ein (Mode)Begriff sorgt für Verwirrung
In letzter Zeit sind in verschiedenen Medien Berichte erschienen, die sich mit dem so genannten Debriefing beschäftigten. Ob diese psychologische Methode ein Segen oder gar schädlich ist, wie teilweise behauptet wird, steht hier nicht zur Diskussion. Um Missverständnisse zu vermeiden, möchten wir aber klären, um was es sich dabei handelt und wie sich Debriefing sowie die praktische und emotionale Betreuung von CareLink unterscheidet.
Zuerst einmal geht es darum, den Begriff zu klären: Debriefing stammt vom englischen Begriff Briefing, der ursprünglich eine kurze (engl. brief) Einsatzbesprechung vor einem wichtigen Ereignis bezeichnete. Das Debriefing ist dementsprechend die kurze Nachbesprechung nach einem solchen Ereignis, eine Manöverkritik. „Manöverkritik“ weist auf den Ursprung des Begriffs hin: Briefing und Debriefing entstammen dem militärischen Wortschatz, der auch von Polizei, Rettungs- und Bergungskräften oftmals verwendet wird. Debriefing impliziert gleichzeitig, dass zuvor ein Briefing stattgefunden hat. Davon kann bei einem traumatischen Erlebnis in aller Regel keine Rede sein. Schon deshalb ist er für unsere Belange wenig hilfreich.
Mobilisierung der eigenen Kräfte
Seit einiger Zeit wird der Begriff Debriefing jedoch beinahe inflationär und vor allem auch im Zusammenhang mit der Betroffenenbetreuung nach schwerwiegenden Ereignissen verwendet. Gemeint ist dabei meist eine strukturierte Gruppenbesprechung mit überlebenden Opfern, Hinterbliebenen oder Augenzeugen. Indem dem Erlebten die negative Einmaligkeit genommen wird („anderen geht es ebenso“), sollen bei den Betroffenen Langzeitstörungen vermieden werden. Über Erfolg oder Misserfolg solcher Debriefings können und wollen wir uns nicht äussern. CareLink nutzt diese Technik nur im Zusammenhang mit der Nachbetreuung ihrer eigenen Einsatzkräfte. Wir nennen das allerdings Einsatznachbesprechung, die wir nach Bedarf in getrennten Gruppen führen. Die Mitglieder unseres Careteams betreuen Menschen, die von einem aussergewöhnlichen Ereignis betroffen sind, dagegen stets individuell. Immer mit dem Ziel, deren eigene Kräfte zu mobilisieren. Je nach Bedürfnissen unterstützen sie die Betroffenen emotional und praktisch bei der Bewältigung des Erlebten. Das reicht vom stillen Zuhören über das Vermitteln von Kontakten zu Angehörigen und Behörden bis zur Organisation von Unterkunft und Verpflegung. Nach dem Grundsatz, soviel wie nötig, aber so wenig wie möglich.
Eine Möglichkeit unter vielen
CareLink folgt dabei den Richtlinien des Nationalen Netzwerks Psychologische Nothilfe (www.nnpn.ch), einer ständigen Fachgruppe des Bundes. Als eine der ersten Organisationen sind wir vom NNPN sowohl als Einsatz- wie auch als Ausbildungsorganisation zertifiziert. Apropos psychologische Nothilfe. Vielfach wird Debriefing damit gleichgesetzt. Das greift zu kurz. Unter psychologischer Nothilfe werden alle Massnahmen verstanden, die die psychische Gesundheit von Betroffenen und Einsatzkräften während oder nach einem Ereignis erhalten oder wieder herstellen. Betroffene Personen werden dabei durch ausgebildete Mitglieder von Careteams (Caregivers), Einsatzkräfte durch ausgebildete Mitglieder der jeweiligen Organisation (Peers) bedarfsgerecht betreut. Ist weitergehende individuelle Hilfe angezeigt, wird diese ausschliesslich von Fachpersonen mit notfallpsychologischer Zusatzqualifikation durchgeführt. Das Debriefing wie eingangs beschrieben ist dabei nur eine von vielen möglichen Massnahmen.

